„Ich mag die Herausforderung“ – Interview mit Tanja Krämer



Wir haben mit der 40-jährigen ehemaligen deutschen Nationalspielerin und Deutschen Meisterin von 2008, Tanja Krämer, gesprochen, die sich nach dem Rückzug des TV Busenbach dem TSV Langstadt angeschlossen hat und am letzten Sonntag beim 6:2 gegen Weil ihr Bundesligadebüt für ihren neuen Klub gab. 13 Fragen hat sie uns geduldig beantwortet.

Sie sind eine der erfahrensten Bundesligaspielerinnen und haben in vielen Vereinen gespielt. Ist für Sie der Wechsel nach Langstadt so eine Art Coming Home, also ein Zurück in die heimatliche Region? 

„Coming Home trifft es nicht ganz, da ich ja im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen bin und mit dem Odenwald in meinen ganz jungen Jahren eher weniger in Berührung gekommen bin. Aber letztlich kenne ich aus früheren Zeiten einige Leute dort und die Atmosphäre ist sehr familiär, was mein Ankommen doch sehr einfach gemacht hat. Mit diesem Standort ist natürlich auch die Nachfrage von alten Weggefährten auf ein Wiedersehen gestiegen, was natürlich auf der anderen Seite durch Corona nicht ganz einfach wird.“

Wie sind Ihre bisherigen Eindrücke vom TSV Langstadt?

„Ich fühle mich dort sehr gut aufgehoben, womit ich auch gerechnet habe.“

Was kann beziehungsweise sollte das Team diese Saison erreichen?

„Im Vorfeld bin ich davon ausgegangen, dass wir uns in Richtung TOP 3 orientieren sollten, aber durch die Pandemie und die fraglichen Einsätze unserer Ausländerinnen wird dieses Vorhaben nicht einfacher, dennoch sollten wir uns einen Platz für die Play-offs sichern können.“

Wenn die Ausländerinnen nicht da sind, müssen Sie vorne spielen. Klar, daran sind sie gewöhnt, aber hätten Sie es nicht lieber mal etwas einfacher gehabt und hinten aufgeschlagen?

„Ich mag die Herausforderung, habe daher auch in der Vergangenheit gerne im oberen Paarkreuz gespielt. In der Tat sind auf dem Blatt die Aufgaben im hinteren Paarkreuz „einfacher“. Egal wo ich spiele, meine Vorbereitung ist die gleiche und oben als auch unten muss ich eine sehr gute Leistung abrufen, um Siege einzufahren.“

Trauen Sie sich vorne noch eine ausgeglichene oder sogar positive Bilanz zu?

„Wenn ich meine Leistung aus der Vergangenheit abrufen kann, ja.“

Richten Sie sich darauf ein, die komplette Runde durchzuspielen oder sehen Sie sich eher als Joker?

„Der Plan ist, dass ich grundsätzlich für jedes Spiel zur Verfügung stehe.“

Bedauern Sie es, dass in dieser Saison keine Doppel gespielt werden? Sie gelten ja auch als starke Doppel-Spielerin?

„Absolut! Doppel macht mir sehr viel Spaß, da man zusammen eine Spiel-Lösung finden muss und teilweise anders spielen und platzieren muss, um seinen Partner in Szene setzen zu können.“

Hat der Tischtennissport für Sie noch eine hohe Priorität oder steht die Familie inzwischen im Vordergrund?

„Beides hat hohe Priorität für mich und ich versuche beides bestmöglich unter einen Hut zu bringen, da können ein Tag und eine Woche schon mal sehr kurz erscheinen. Wir haben eine achtjährige Tochter. Trixi spielt übrigens seit Corona etwas intensiver und nebenbei turnt und reitet sie noch. Sie soll Spaß am Tischtennis haben und wenn sie das hat, wird sie auch mal ganz gut spielen können. Wir wohnen seit 2012 in Merzalben in der Nähe von Pirmasens.“

Wie oft trainieren Sie noch?

„Ich versuche, zweimal in der Woche zu trainieren, vor den Spielen, sofern möglich, kommt noch eine dritte Einheit mit der Mannschaft hinzu.“

Haben Sie ein weiteres berufliches Standbein?

„Ja, in der Tischtennis-Branche. Ich war jahrelang beim JOOLA-Megastore tätig. Seit dem 1. September bin ich bei Topspeed, einem Tischtennis-Händler mit Ladenlokal in Ottobrunn bei München. Ich arbeite Vollzeit und zu 100 Prozent von zu Hause – ich erledige sämtliche Arbeiten, die von zu Hause aus geleistet werden können.“

Was war der schönste Erfolg in Ihrer Tischtennis-Karriere?

„Mein Titel als Deutsche Meisterin im Einzel 2008.“

Wie lange wollen Sie professionell spielen?

„Da habe ich keine konkreten Pläne. Ich spiele solange es mir Spaß macht, mein Körper mitmacht und [augenzwinkernd] so lange ich noch einen Verein finde.“

Ist die 1. Bundesliga Damen noch die stärkste Liga Europas, wie bewerten Sie das Niveau dort?

„Ich glaube, das Niveau ist im Vergleich zu früher runtergegangen, sonst könnte ich nicht positiv/ausgeglichen im oberen Paarkreuz spielen [augenzwinkernd]. Klar, wenn komplett, sind Berlin, Kolbermoor und unser oberes Paarkreuz Ausnahmen. Es ist aber nicht mehr so einfach und günstig, hochkarätige Nicht-EU-Ausländerinnen zu bekommen und das liebe Geld wächst ja auch nicht auf den Bäumen.“

Interview & Foto: Dr. Stephan Roscher