Zwölf Vereine inklusive TTC Ebner Ulm beantragen TTBL-Lizenz

Wie die TTBL Sport GmbH am Mittwoch bekannt gab, haben sich alle elf Bundesligisten fristgerecht um die Teilnahme am Spielbetrieb 2019/20 beworben. So weit wie erwartet. Sensationell ist jedoch die Info, dass mit dem TTC Ebner Ulm auch ein komplett neuer Verein erstklassig spielen will, der eine Wildcard erhält.

Erstmals könnte somit die volle Sollstärke von zwölf Teams erreicht werden, vorausgesetzt, alle Kandidaten bestehen das nachfolgende Lizenzprüfverfahren und können ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit überzeugend nachweisen.

Der Aufsichtsrat der TTBL Sport GmbH beschloss am gestrigen Dienstag, nachdem die Mehrheit der elf Erstligisten grünes Licht gegeben und man sich mit dem DTTB kurzgeschlossen hatte, die Vergabe der Wildcard an den neuen, sich gerade in der Gründung befindenden Klub. Die Erteilung eines außerordentlichen Teilnahmerechts war gemäß der TTBL-Spielordnung möglich geworden, da sich kein Zweitligist beworben hatte und die Sollstärke von zwölf Mannschaften somit nicht erreicht wurde.

„Nach reiflicher Überlegung und Abwägung aller Argumente ist unsere Entscheidung im Aufsichtsrat schließlich einstimmig ausgefallen“, erklärte Andreas Preuß, Aufsichtsratsvorsitzender der TTBL Sport GmbH. „Wir sind uns einig, dass ein Engagement des TTC Ebner Ulm letztlich mehr Chancen als Risiken bietet.“

Viele werden sich nun fragen, wer hinter dem TTC Ebner Ulm steht und was dessen Zielsetzung ist. Die entscheidende Person ist der 61-jährige Ulmer Unternehmer Florian Ebner (Foto), geschäftsführender Gesellschafter der Ebner Media Group und überaus sportaffin. Selbst Tennis- und Golfspieler auf hohem Niveau, stellte der ehemalige Präsident des früheren Fußballbundesligisten SSV Ulm 1846 und erfahrene Veranstalter sportlicher Großevents im Tennis und Golf am Dienstag in Fulda sein Konzept auf der Gesellschafterversammlung der TTBL Sport GmbH vor. Dabei unterstrich er neben den sportlichen Ambitionen auch die Nachhaltigkeit seines Projekts. „Wir werden von Beginn an konkurrenzfähig sein und wollen uns perspektivisch im oberen Mittelfeld der Tabelle langfristig etablieren“, so Ebner. „Mithilfe von Kooperationen, etwa mit der Tischtennisabteilung des SSV Ulm 1846, tragen wir auch dem Aspekt der Sportentwicklung Rechnung und investieren in die Nachwuchsarbeit.“

Ebners Vortrag scheint überzeugend gewesen zu sein. „Das Engagement des TTC Ebner Ulm ist eine große Chance für die Liga“, begrüßte TTBL-Geschäftsführer Nico Stehle die Entscheidung des Aufsichtsrats. „Herr Ebner hat in seinem Konzept deutlich gemacht, dass sein Verein die TTBL in vielerlei Hinsicht bereichern kann. Seine Kompetenzen im sportlichen, administrativen und medialen Bereich sowie seine exzellente Vernetzung lassen daran keinen Zweifel. Darüber hinaus erreichen wir mit einem zwölften Verein die angestrebte Sollstärke und sorgen so langfristig für mehr Stabilität in der Liga.“

Auch der Deutsche Tischtennis-Bund äußerte sich positiv. „Die Vergabe der ‚Wildcard‘ ist eine Entscheidung, die dokumentiert, dass die TTBL mit ihren Partnern versucht, innovative Ansätze aufzunehmen und sich stetig weiterzuentwickeln“, gab Verbandspräsident Michael Geiger zu Protokoll. „Die Entscheidung war keine einfache, es ist zu wünschen, dass sie die Liga im Ergebnis stärkt.“

Mit den Bewerbungen ist die erste Stufe des Lizenzierungsverfahrens für die kommende Spielzeit abgeschlossen. Nun müssen sich die Bewerber dem Lizenzprüfverfahren stellen, in dem die rechtlichen, personellen, administrativen, infrastrukturellen und finanziellen Voraussetzungen der Vereine geprüft werden. Erhalten alle die Lizenz, wäre tatsächlich die volle Sollstärke erreicht und es könnte künftig auch wieder einen Abstiegskampf geben.  

Umso mehr, als sich abzeichnet, dass die TTBL zur Saison 2020/21 tatsächlich Verstärkung aus der 2. Liga erhält. Ein ganz heißer Kandidat scheint der TTC OE Bad Homburg zu sein, der laut Team-Manager Johannes Herrmann bereits zur kommenden Saison ein neues Gesicht erhalten wird: „Es wird die beste Mannschaft des TTC OE aller Zeiten sein.“

Im Übrigen darf man äußerst gespannt sein auf den TTC Ebner Ulm. Die finanziellen Voraussetzungen für Bundesligatischtennis dürften dort gut sein. Interessant könnte nicht zuletzt die Frage werden, welche Spieler noch auf dem Markt sind, die für das neue Projekt gewonnen werden können. Der neue Verein ist etwas spät dran, viele Wechsel sind längst getätigt. Und dem Beispiel Jülichs will man definitiv nicht folgen, mit einer kaum ligatauglichen Truppe sein Glück zu versuchen. Deshalb dürfte man schon auf der Suche nach Spielern einer etwas höheren Kategorie sein, Weltstars jedoch scheinen bis auf Weiteres nicht angedacht zu sein.

Webseite der Ebner Media Group


Text: Dr. Stephan Roscher

Foto: privat

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