Uentrop will neuen Zuschauerrekord im Damen-Tischtennis

Normal begrüßt Zweitligist TuS Uentrop 70 Fans zu seinen Heimspielen. Am 13. Januar empfängt man die abstiegsbedrohten Leutzscher Füchse. Wie viele Zuschauer werden kommen? 50, 70 oder gar 80? Weit gefehlt, über 1.200 sollen es werden!

Das Team von Trainer und Manager Alexander Daun, das letzte Saison trotz guter sportlicher Leistungen wegen Geld- und Sponsorenmangels ganz dicht vor dem Aus im hochklassigen Tischtennissport stand, startet nämlich einen einmaligen Rekordversuch. Am Sonntag, den 13. Januar 2019, weicht der Herbstmeister für die sportlich vermutlich eher einseitige Ligapartie gegen den Tabellenvorletzten aus Leipzig, der vor zwei Jahren noch im Oberhaus aufschlug, von der Grundschule Uentrop in die 2.600 Zuschauer fassende WESTPRESS arena im benachbarten Hamm aus. Zur Erläuterung: Uentrop ist ein circa 27.000 Einwohner zählender Stadtteil der 180.000-Einwohner-Stadt Hamm am Nordostrand des Ruhrgebiets.

Man will den bestehenden Zuschauer-Rekord im deutschen Damen-Tischtennis aus der Spielzeit 1992/93 brechen, als 1.200 Besucher die Erstliga-Begegnung zwischen den beiden West-Vereinen Spvg Steinhagen und TSG Dülmen sahen.

Das ganze ist als krönender Abschluss der einzigartigen Rettungsaktion der Saison 2017/18 gedacht – vor etwa einem Jahr hatte der Zweitligist schon seinen Rückzug aus der 2. Liga erklärt, dann aber innerhalb kurzer Zeit 40.000 Euro gesammelt und auf diesem Weg den Verbleib in der zweithöchsten deutschen Spielklasse gesichert. Bemerkenswert daran war auch, dass dies nicht auf in höchster Not angeschleppten externen Sponsoren basierte, sondern eine Initiative „von unten“ war, in die die Mannschaft selbst maßgeblich involviert war. Die Spielerinnen wollten sich nicht in alle Winde verstreuen, sondern bei ihrem TuS bleiben und trommelten wochenlang wie wild um jeden Euro – mit durchschlagendem Erfolg.

Vor zwölf Monaten so dicht vor dem Aus und jetzt sportlich wieder obenauf und kurz vor einem sensationellen Zuschauerrekord, das macht auch „Leitwolf“ Alexander Daun stolz: „Erst sah es so düster aus und jetzt sind wir nicht nur Herbstmeister, sondern auch kurz davor, Geschichte im deutschen Damentischtennis zu schreiben.“ Die TuS-Asse Airi Avameri, Elena Shapovalova, Nadine Sillus, Guo Pengpeng, Alexandra Scheld und Jessica Wirdemann freuen sich riesig auf das Event und wollen sich dieser Zuschauermenge, der größten, vor der sie je gespielt haben, natürlich von ihrer besten Seite zeigen.

Die Idee zum Rekordversuch war bereits während der Rettungsaktion aufgekommen. Die TuS-Damen waren zu einem Heimspiel des ASV Hamm-Westfalen erschienen, um die Besucher um Spenden zu bitten. Der Handball-Zweitligist unterbreitete im Gegenzug das Angebot, mit der WESTPRESS arena auch einmal das eigene „Wohnzimmer“ für ein Heimspiel zu nutzen, falls es gelänge, zweitklassig zu bleiben. Gesagt, getan.

Der TuS Uentrop hat für das Mega-Event nicht nur den ASV, sondern die fünf größten und in den höchsten Spielklassen auftretenden Teams der Stadt Hamm aus den unterschiedlichsten Sportarten gewinnen können, die sich in Werbespots für den Besuch stark machen und ihre Fans mitbringen wollen. Einige Fanklubs haben sich deshalb auch schon mit Fahnen und Trommeln angekündigt – es dürfte also nicht nur voll sondern auch laut werden am 13. Januar in der WESTPRESS arena. Auch der WTTV promotet die Veranstaltung nach Kräften.

Wer ein Herz für den Tischtennissport hat und etwas Außergewöhnliches erleben will, sollte an diesem Tag nach Hamm kommen – selbstverständlich sind auch auswärtige Besucher hoch willkommen.

Alle Informationen im Überblick

Datum: Sonntag/13. Januar 2019
Spielbegegnung: TuS Uentrop gegen LTTV Leutzscher Füchse (2. Bundesliga Damen)
Spielbeginn: 14:00 Uhr, Einlass: 12:30 Uhr
Spielort: WESTPRESS arena, Ostwennemarstraße 100, 59071 Hamm
Ticketverkauf: Tageskasse
Ticketpreise: €uro 10.-- Erwachsene, €uro 5.-- Kinder/Jugendliche (freie Sitzplatzwahl)
Motto: "Gemeinsam für Hamm - Gemeinsam für unseren Tischtennissport"
Spendenaktion: 10 % der Eintrittsgelder werden an den Kinder- und Jugendhospizdienst Hamm gemeinnützig gespendet.
Ziel: Zuschauer-Rekord im deutschen Damen-Tischtennis (bisher: 1.200 Zuschauer)
Aktion: Kommt in Eurer Vereinskluft mit Fahnen, Trommeln etc.
TV-Tipp: Am kommenden Donnerstag (10. Januar) wird um 19:30 Uhr im WDR-Fernsehen in der Sendung "Lokalzeit Dortmund" ein Beitrag zu diesem Event ausgestrahlt.

Das ehrgeizige Vorhaben könnte, ja dürfte sogar gelingen und die Branche wachrütteln.

Mannschaftstischtennis der Damen ist ein hochwertiges „Produkt“ – das gilt natürlich für die diese Saison extrem spannende 1. Liga, aber auch für das Unterhaus und sogar noch für die beiden 3. Ligen, in denen das Niveau auch erstaunlich hoch ist. Doch die Darbietungen werden von den Zuschauern in aller Regel nicht adäquat honoriert. Bei 400 Fans liegt die diesjährige Rekordmarke in der 1. Bundesliga Damen, aufgestellt am 24.11. bei der nach Sinzheim vergebenen Partie zwischen Busenbach und Bad Driburg. Der Zuschauerschnitt im Oberhaus beträgt etwas unter 150, in der 2. Liga knapp über 60 und in den 3. Ligen circa 35 (44 Nord/25 Süd). Eindeutig zu wenig für das tolle Tischtennis, das geboten wird von Spielerinnen, deren Niveau teilweise über Herren-Regionalliga-Level liegt.

Der geschickt vermarktete Rekordversuch in Hamm könnte zu einer Initialzündung werden und künftig mehr Fans in die Hallen locken. Die 1. Bundesliga Damen, sicher noch vor der französischen Pro-A die stärkste Liga Europas, wird sich nach Hamm gewiss etwas einfallen lassen. Man wird in Sachen Zuschauer nicht auf Jahre hinaus die Nummer zwei in Deutschland bleiben wollen.

Werbevideo des Vereins für das Event


Text: Dr. Stephan Roscher

Team-Fotos (2): TuS Uentrop

Foto WESTPRESS arena: Tim Reckmann