EM 2018: O-Töne satt: Zitate vom Medien-Tag in Düsseldorf

Vom 18. bis 23. September steht die EM in Alicante im Fokus. Nun, Tischtennisspieler sind intelligente Menschen, die Trainer ebenso. Schauen wir uns also an, was die Aktiven und Funktionäre des DTTB auf dem gestrigen Medien-Tag in Düsseldorf zu sagen hatten.

Herren

Sportdirektor Richard Prause zur allgemeinen Zielsetzung der DTTB-Herren:
„Wir sind sehr gut aufgestellt, wenn man auf die Europarangliste schaut. Wir im Trainerteam sehen die EM aber vor allem als Standortbestimmung. Denn jeder bringt seine eigene Geschichte mit: Dimitrij Ovtcharov hat eine längere Verletzungspause hinter sich. Für ihn ist diese EM eine große Herausforderung. Er braucht diese Rückmeldung, um wieder in Topform zu kommen. Bei Timo Boll ist das nach seiner Pause im Sommer ähnlich. Wir hoffen aber schon, dass der EM ein bisschen unseren Stempel aufdrücken zu können.“

Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf über die deutschen Chancen in allen drei Wettbewerben:
„Wir streben immer nach dem Höchsten. Und da ist jedes Turnier und jede einzelne Trainingseinheit auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2020 wichtig. Unser Ziel bei der EM ist klar: Wir wollen in jedem Wettbewerb auf dem Treppchen stehen. Denn wir haben in jedem Wettbewerb die besten Spieler Europas am Start.“

Timo Boll über seine EM-Form nach der Verletzungspause:
„Es geht mir soweit ganz gut. Ich habe das Trainingspensum wieder gesteigert, bin aber noch nicht da, wo ich sein möchte. Aber ich habe das mental bereits akzeptiert. Ich gebe mir die Zeit, um wieder richtig in Form zu kommen.“

Boll über den Stellenwert der EM und seine Titelambitionen als Topgesetzter:
„Klar ist es schön, den Titel zu gewinnen. Ich sehe mich aber nicht als Topfavoriten auf den Titel. So eine Europameisterschaft macht Spaß. Ich freue mich darauf. Sie hat eine Strahlkraft, die auch nicht dadurch geringer wird, dass wir eine Flut anderer Turniere haben. Ich brauche den Wettkampf, will das Adrenalin spüren. Ich brauche den Wettkampf auch immer, um meine Form zu finden und hoffe, dass ich einige Runden spielen werde.“

Dimitrij Ovtcharov über seine lange Verletzungspause:
„Ich bin erst mal extrem happy, dass ich die schwere Zeit hinter mir habe. Ich habe mir eine Weile große Sorgen gemacht, wie es weitergeht und wie lange es noch dauert. Mittlerweile bin ich bei 100 Prozent Trainingsumfang angelangt, auch wenn ich noch nicht wieder in Topform bin.“

Ovtcharov über den Stellenwert der Europameisterschaften und seine Herangehensweise:
„Es sind noch nicht so viele Spieler Europameister geworden. Vom Stellenwert ist die EM immer noch ein absolutes Topturnier und hat einen hohen Stellenwert. Ähnlich wie Timo bin ich noch nicht in Topform. Aber ich bin immer extrem motiviert, in die Wettkämpfe zu gehen. Ich freue mich auf die EM und mache mir keinen besonderen Stress. Ich glaube, dass da Vieles möglich ist, bin aber ganz entspannt.“

Patrick Franziska zu seinen Zielen bei der EM:
Im Mixed ist es schwer zu sagen, was ‚Peti‘ und ich erreichen können, aber im Doppel möchte ich meinen Titel mit Jonathan schon verteidigen. Im Einzel fahre ich immer gut damit, klassisch von Runde zu Runde zu denken. Europa ist sehr ausgeglichen. Da muss man schon in der ersten Runde höllisch aufpassen, wer das aus der Qualifikation kommt.“

Ricardo Walther zu seiner Verfassung vor dem Nominierungsgespräch mit Bundestrainer Jörg Roßkopf:
„Ich habe vor dem Nominierungsgespräch noch keine Ahnung gehabt, wie es für mich ausgeht. Ich war schon sehr nervös und bin sehr erleichtert, dass ich dabei bin.“
Einwurf von Dimitrij Ovtcharov, lachend: „Ric hat mich vorher immer gefragt, aber ich wusste ja auch nichts.“

Walther zu seinen Zielen bei der EM:
„Im Einzel schaue ich einfach, was möglich ist. Im Doppel möchte ich mit Ruwen eigentlich schon um die Medaillen mitspielen. Da liegt der Druck bei ‚Franz‘ und Jonathan. Vielleicht können wir die beiden etwas ärgern.“

Benedikt Duda über seine Erwartungen bei der EM:
„Ich behalte meine Ziele gerne für mich. Ich bin in sehr guter Form. Man kann mich gerne nach der EM nochmal fragen, ob ich das Ziel erreicht habe, das ich mir gesetzt hatte.“

Ruwen Filus zu seinen Ambitionen im Doppel und Mixed in Alicante:
Im Doppel peile ich mit ‚Ric‘ schon eine Medaille an. WIr hatten ja auch schon einige gute Ergebnisse auf der World Tour zusammen. Im Mixed ist es schwer zu sagen, wie das System Abwehr-Abwehr zusammen funktioniert, aber ich denke, dass Ying und ich schon einige Spieler ärgern können.“

Filus über seine Nichtnominierung im Einzel:
„Ich habe nach der Geburt unserer zweiten Tochter schon ein bisschen weniger trainiert, bin aber jetzt seit circa drei Wochen wieder sehr intensiv im Training. Natürlich bin ich als Nummer 19 der Weltrangliste und Nummer sieben in Europa enttäuscht, nicht dabei zu sein. Das ist aber nichts, weswegen ich jetzt aufhören würde. Ich bin motiviert, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein.“

 

Damen

Richard Prause zur Zielsetzung der DTTB-Damen in allen drei Wettbewerben:
„Wir haben auch im Damenbereich eine sehr schlagkräftige Truppe beisammen. Man sollte nicht immer nur auf die Ranglisten schauen, weil die durch die Änderung im Weltranglisten-System nicht immer aussagekräftig sind. Das neue System belohnt Spieler, die viel spielen und wenn man seine Einsätze clever macht, kann man ganz gut in der Weltrangliste klettern. Im Damenbereich gibt es ein noch engeres Feld als bei den Herren. Da kann viel passieren. Zuerst einmal ist es wichtig, die Setzung zu erfüllen, und dann wird man sehen. Wir haben eine Mannschaft, die im Einzel über sich hinauswachsen kann. Ich denke, dass unsere Spielerinnen zum erweiterten Medaillenkreis gehören.“

Prause zur Frage, weshalb im Doppel nicht die Titelverteidigerinnen Lang/Winter zusammen spielen:
„Wir mussten uns im Doppel zwischen zwei Europameistern entscheiden: Zwischen den Europameisterinnen von 2013 und den amtierenden Europameisterinnen. Das ist auch ein Luxusproblem. Wir wussten nicht genau, wie es mit Kristin nach der Geburt ihrer Tochter weitergeht, daher haben wir uns letztlich für diese beiden entschieden.“

Han Ying zu ihrem reduzierten Trainingspensum nach den Olympischen Spielen 2016:
„Ich habe meine Umfänge nach Rio schon heruntergefahren und eine Weile auch eine Pause gemacht. Ich fühlte mich etwas leer, da ich davor wirklich vier Jahre alles für dieses Ziel gegeben habe. Ich brauchte das dann einfach. Aber jetzt bin ich wieder motiviert und habe gut trainiert.“

Über ihre Medaillenwünsche bei der EM:
„Ich möchte unbedingt eine Medaille holen, egal wo - am liebsten natürlich im Einzel UND im Mixed. Die Weltrangliste sagt nicht alles aus. Ich darf zum Beispiel nicht bei der WM oder beim World Cup spielen. Dadurch fehlen mir zwei wichtige Gelegenheiten, viele Punkt zu holen. Das Leistungsniveau in Europa ist sehr eng beieinander, egal was die Weltrangliste sagt. Und ich selbst bin leistungsmäßig nicht weit von der Zeit entfernt, als ich in den Top 10 war.“

Sabine Winter über ihre gute Leistung bei den Czech Open und die Bedeutung davon für die EM:
„So ein Erfolgserlebnis vor der EM bringt auf jeden Fall Selbstbewusstsein. Daher fahre ich jetzt positiv zur EM und hoffe, dass es so weiter geht.“

Winter über ihre Ziele im Einzel und als Titelverteidigerin im Doppel (sie spielt in Alicante an der Seite von Petrissa Solja, mit der sie 2013 Europameisterin wurde, und nicht mit Kristin Lang, mit der sie 2016 siegreich war):
„Im Doppel gehe ich als Titelverteidigerin ins Rennen. Den Titel zu verteidigen ist sehr schwer, man braucht auch immer ein bisschen Glück. Ich weiß, dass ich mit ‚Peti‘ ein sehr gutes Doppel bilde. Es ist alles machbar und ich hoffe, dass wir da angreifen werden und sehr gut spielen. Im Einzel ist es noch ein bisschen mehr vom Los abhängig. Manche Gegnerinnen liegen einem, manche nicht, aber ich weiß, dass ich an einem guten Tag sehr viele Leute in Europa schlagen kann.“

Petrissa Solja über die Dreifach-Belastung mit Einzel, Doppel und Mixed:
„Es sind schon viele Wettbewerbe in der kurzen Zeit. Aber ich traue mir das zu. Der volle Fokus liegt auf der EM. Ich hoffe, dass ich sehr viele Spiele machen werde. Ich würde gern wieder mit einer Medaille nach Hause kommen. Alles in allem fühle ich mich wirklich gut.“

Nina Mittelham zu ihren Zielen:
Ich hatte eigentlich nicht unbedingt mit meiner Nominierung gerechnet, weil ich das erste der internen Quali-Turniere verletzungsbedingt nicht mitspielen konnte. Umso schöner ist es jetzt, doch dabei zu sein. Ich werde im Einzel von Runde zu Runde schauen und einfach versuchen, mein bestes Tischtennis zu spielen, sodass ich zufrieden mit mir selbst bin. Im Doppel habe ich mit Kristin natürlich eine Europameisterin als Partnerin, also mal schauen, was da geht.“

Kristin Lang zu ihren guten Leistungen bei den Czech Open und der Bedeutung für die EM:
„Meine Leistung bei den Czech Open gibt mir großen Schwung. Ich habe gemerkt, dass das Potenzial da ist, bei der EM auch vorne mitzuspielen. Im Doppel passen Nina und ich vom Spielsystem eigentlich ganz gut zusammen. Natürlich sind wir noch nicht so eingespielt, wie zum Beispiel Sabine und ich es waren – wir spielen eben auch im Verein zusammen. Ich denke aber, dass es mit Nina und mir gut passen könnte und wir eventuell einige Doppel ärgern können.“


Das deutsche Aufgebot für Alicante 

Herren
Timo Boll (Borussia Düsseldorf, Weltrangliste: 4)
Dimitrij Ovtcharov (Fakel Gazprom Orenburg, Weltrangliste: 5)
Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken TT, Weltrangliste: 16)
Ricardo Walther (ASV Grünwettersbach, Weltrangliste: 46)
Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt, Weltrangliste: 50)
Ruwen Filus (RhönSprudel Fulda-Maberzell, Weltrangliste: 19)

Einzel: Boll, Ovtcharov, Franziska, Walther, Duda
Doppel: Franziska/Jonathan Groth DEN, Filus/Walther


Damen
Han Ying (KTS Zamek Tarnobrzeg, Weltrangliste: 39)
Sabine Winter (SV DJK Kolbermoor, Weltrangliste: 46)
Petrissa Solja (TSV Langstadt, Weltrangliste: 49)
Nina Mittelham (ttc berlin eastside, Weltrangliste: 54)
Kristin Lang (SV DJK Kolbermoor, Weltrangliste: 139)

Einzel: Han, Winter, Solja, Mittelham, Lang
Doppel: Solja/Winter, Lang/Mittelham 

Mixed: Franziska/Solja, Filus/Han


Links

 

 

Quelle: Deutscher Tischtennis-Bund

Text & Fotos (2): Dr. Stephan Roscher