POKAL FINAL FOUR: Underdog Langstadt will Turnier genießen

Sensations-Final-Four-Teilnehmer Langstadt trifft im Cup-Halbfinale am 14. Januar in Hannover auf Bad Driburg. Eine hohe Hürde für die Südhessinnen, die die Vorrunde in der 2. Liga als Tabellendritter abgeschlossen haben und über das Abenteuer Oberhaus nachdenken.

Der Champions-League-Teilnehmer der letzten beiden Jahre und aktuelle Bundesliga-Vierte ist natürlich eine harte Nuss für die Langstädter Girl Group aus 19- und 20-jährigen HTTV-Talenten, die von der routinierten Monika Pietkiewicz angeführt wird. Die 34-jährige polnische Ex-Nationalspielerin hat durchaus das Format, auch Erstligaspielerinnen in Bedrängnis zu bringen. Und ihre Kolleginnen Alena Lemmer, Janina Kämmerer und Anne Bundesmann sind steigerungsfähig und besitzen großes Potenzial. Für besondere Fälle hat man mit der 17-jährigen Archana Girish Kamath und der erst 14-jährigen Diya Chitale zwei richtig gute Inderinnen in der Hinterhand, die vermutlich aber in Hannover nicht auflaufen werden. 

Mit 14:4 Punkten sitzt der TSV – punktgleich mit dem Zweiten Uentrop, das sein Team allerdings nach der Saison zurückziehen wird – im Unterhaus Spitzenreiter Schwabhausen (16:2) dicht im Nacken. Bleibt die Mannschaft aus Hessen bis zum Ende oben mit dabei, kann man sich durchaus den Sprung in die Beletage des deutschen Damen-Tischtennis vorstellen. Zudem wäre das gerade für die jungen Spielerinnen eine tolle Perspektive. Die Liga würde man mit recht vielen Fans bereichern. Schon jetzt, eine Klasse tiefer, hat man mehr Zuschauer als fünf der sieben Erstliga-Klubs.

Bad Driburg wird in der Cup-Endrunde – im Gegensatz zur Bundesliga, wo man bislang noch nie die besten Vier an den Tisch bekam – sicher in Bestbesetzung auflaufen, also mit den deutschen Nationalspielerinnen Nina Mittelham und Nadine Bollmeier. 

Andererseits haben die Südhessinnen als Underdog – sie sind der erste Zweitligist, der jemals den Sprung in Final Four geschafft hat – nichts zu verlieren und können völlig unbeschwert aufspielen. Und mit Erstligisten kommt man offenbar gut zurecht, wie das Pokal-Qualifikationsturnier in Seligenstadt letzten August gezeigt hat, wo man die klassenhöheren Klubs aus Kolbermoor und Böblingen sensationell ausschalten konnte. Vielleicht gelingt es ja dem ambitionierten Team aus Liga 2, auch Bad Driburg ein wenig zu ärgern. 

TSV-Teammanager und Coach Manfred Kämmerer sieht es entspannt: „Wir sind total locker, freuen uns dabei zu sein und werden den Pokal genießen. Außerdem haben wir schon ein Preisgeld sicher, denn jeder Teilnehmer bekommt etwas.“ 

Das andere Halbfinale bestreiten übrigens Triple-Sieger ttc berlin eastside und Bundesliga-Herbstmeister TTG Bingen/Münster-Sarmsheim. So gesehen hat der TSV noch das günstigste Los gezogen. 


Text & Foto: Dr. Stephan Roscher