PAN AMERICAN GAMES: Brasilien scheitert an US-Boygroup

In Lima sind die Mannschafts-Entscheidungen gefallen – es kam ganz anders als erwartet. Topfavorit Brasilien zog im Herren-Halbfinale gegen den späteren Turniersieger USA den Kürzeren. Die favorisierten US-Girls mussten sich dagegen den Brasilianerinnen beugen, die im Finale allerdings an Puerto Rico scheiterten.

Für Hugo Calderano blieb es folglich bei den beiden Goldmedaillen, errungen im Herren-Einzel und -Doppel. Der allgemein erwartete dritte Titel bei den Pan American Games 2019 blieb aus. Das lag aber nicht an Ochsenhausens brasilianischem Weltstar, der seine Matches im Teamwettbewerb alle ungefährdet gewann, sondern an einer schwachen Mannschaftsleistung von Brasiliens Auswahl im Halbfinale gegen den „Underdog“ USA. 

Speziell die Leistung von Gusavo Tsuboi war – man muss es wohl so hart sagen – unterirdisch. In der TTBL wird er einiges draufpacken müssen, um seinen neuen Arbeitgeber TTC Neu-Ulm nicht zu enttäuschen. Tsuboi (Weltrangliste Platz 32) durfte als routinierter Spieler sein Einzel gegen den 16-jährigen Nikhil Kumar (WRL 222) eben nicht verlieren, gerade weil es um so viel ging, unterlag aber mit 2:3. Schon im Doppel eingangs der Partie hatte Tsuboi an der Seite von Eric Jouti nichts gerissen (2:3 gegen Tio/Kumar). Da nützte auch der klare 3:0-Erfolg von Hugo Calderano gegen Kanak Jha nichts, da Jouti im vierten Match gegen den Neu-Grenzauer an seinen Nerven scheiterte und drei Matchbälle im Entscheidungsdurchgang liegen ließ. So triumphierte Jha und die US-Boys durften einen zuvor nicht für möglich gehaltenen, historischen Sieg bejubeln. Hätte Jouti gewonnen, wäre es zum finalen Match zwischen Calderano und dem 18-jährigen Nicholas Tio (WRL 218) gekommen, das der Weltranglisten-Sechste vermutlich haushoch gewonnen hätte. Aber Konjunktive zählen im Topsport eben nicht. 

Bemerkenswert war die Spitzenleistung der mit Abstand jüngsten Mannschaft des Turniers allemal, in der Kanak Jha mit 19 der „Oldie“ war. Im Finale gegen die Argentinier machte es der US-Talentschuppen aber nochmals spannend. Klar, auf einmal waren die Toptalente aus den Staaten der Favorit und hatten plötzlich etwas zu verlieren. Sie verspielten eine scheinbar sichere 2:0-Führung gegen die Südamerikaner, die jedoch im abschließenden Match überfordert waren. Gaston Alto (WRL 176) besaß gegen Jha, an dem Grenzau noch viel Freude haben könnte, beim 5:11, 8:11, 5:11 keine Chance.   

Diaz-Schwestern führen Puerto Rico zum Mannschaftstitel 

Den US-Ladies hatte man viel eher den Platz ganz oben auf dem Treppchen zugetraut als den Herren. So kann man sich täuschen. Mit den Bundesligaspielerinnen Lily Zhang (Kolbermoor/WRL 66) und Amy Wang (Bingen/WRL 251) sowie der Weltranglisten-35. Wu Yue hätte eigentlich nichts schiefgehen sollen. Doch man „vergeigte“ das Halbfinale gegen die Brasilianerinnen, obwohl anfänglich alles nach Plan zu laufen schien. Zhang und Wu gewannen ihr Doppel, Wang musste zwar Bruna Takahashi (WRL 69) gratulieren (1:3), doch Wu brachte durch ein letztlich ungefährdetes 3:1 über Caroline Kumahara (WRL 269) das amerikanische Trio wieder in Führung. Doch danach ging alles daneben. Die taktisch an Position eins gestellte Amy Wang verlor auch ihr zweites Einzel (1:3 gegen Jessica Yamada, WRL 181) und Lily Zhang bekam ihr Match gegen Kumahara (7:11, 9:11, 11:13) auch nervlich nicht auf die Reihe.

Brasilien stand im Finale und wollte nun auch den Titel, doch im Finale gegen die Puerto Ricanerinnen folgte die Enttäuschung auf den Fuß. Natürlich ist Puerto Rico mit Adriana Diaz stark, doch die Truppe aus Südamerika schien wesentlich ausgeglichener besetzt. Doch als es um alles ging, strafte ausgerechnet Melanie Diaz, die sonst immer im Schatten ihrer Schwester Adriana steht, diese Theorie Lügen und besiegte im alles entscheidenden Match ausgerechnet die im Mannschaftsturnier bis dahin überragende Bruna Takahashi. Dabei hatte sie die ersten beiden Sätze hoch verloren und im dritten Durchgang vier Matchbälle abgewehrt (3:11, 6:11, 17:15, 11:9, 11:6). Die 19-jährige Brasilianerin, die im ersten Match noch die prominente Schwester von Melanie – immerhin Weltranglisten-30. und Einzel-Titelträgerin von Lima – in vier Sätzen bezwungen hatte, war am Boden zerstört. Sie war an ihren Nerven gescheitert, nachdem sie den Sack im dritten Durchgang einfach nicht zumachen konnte. Die vier Jahre ältere Puerto Ricanerin wäre dagegen um ein Haar von ihren Teamkolleginnen vor lauter Siegesfreude erdrückt worden.  


Halbfinale Herren

USA – Brasilien 3:1 (Kumar 1, Jha 1, Tio/Kumar 1 – Calderano 1)

Cuba – Argentinien 0:3 (Tabachnik 1, Alto 1, Cifuentes/Alto 1)

 

Finale Herren

Argentinien – USA 2:3 (Cifuentes 1, Tabachnik 1 – Jha 2, Tio/Kumar 1)

 

Halbfinale Damen

Puerto Rico – Kanada 3:0 (A. Diaz 1, Rios 1, M. Diaz/Rios 1)

USA – Brasilien 2:3 (Wu 1, Zhang/Wu 1 – Takahashi 2, Yamada 1)

 

Finale Damen

Puerto Rico – Brasilien 3:2 (A. Diaz 1, M. Diaz 1, M. Diaz/Rios 1 – Takahashi 1, Kumahara 1) 

 

2019 Pan American Games auf der Webseite der ITTF 

2019 Pan American Games auf der Webseite des Ausrichters mit allen Ansetzungen und Ergebnissen 

 

 

Text: Dr. Stephan Roscher

Fotos (3): ITTF