CHAMPIONS LEAGUE: Deutsche Teams gehen leer aus

Das war kein Freitag nach Maß für Düsseldorf, Saarbrücken und Mühlhausen. Alle drei TTBL-Vertreter kassierten Niederlagen und haben ihre Gruppen-Ziele noch nicht erreicht. Den besten Eindruck hinterließen die Thüringer gegen den Topklub Orenburg – trotz eines 0:3.

 

Sporting Clube de Portugal – Borussia Düsseldorf 3:2

Erste Niederlage für die auch in der Bundesliga zuletzt schwächelnde Borussia im laufenden Wettbewerb. Selbst der Einsatz des noch immer angeschlagenen Timo Boll half nicht, den fünften Sieg im fünften Gruppenspiel unter Dach und Fach zu bringen. Zwar hielt der an Ischiasproblemen laborierende Odenwälder den Nigerianer Bode Abiodun auf Distanz, doch jedem wurde dabei klar, dass er wirklich nur an Position drei aufgestellt werden konnte und gegen Abioduns um Klassen stärkeren Landsmann Quadri Aruna an jenem Abend vermutlich keine Chance besessen hätte.

Da Kristian Karlsson wegen einer starken Erkältung ausfiel und Omar Assar weiter am Burn-out laboriert, war aber keine andere Aufstellung in Portugal möglich, es sei denn, Danny Heister wäre selbst in den Ring gestiegen. Da der im ersten Match gegen Diogo Carvalho bärenstarke Kamal Sharath Achanta im vierten Spiel gegen Aruna ohne Chance blieb, ruhten die Hoffnungen auf Anton Källberg, der dann aber gegen Carvalho im Entscheidungssatz – trotz ständiger Führung bis 8:6 – seine Chance nicht nutzen konnte. Schon das Auftakt-Match hatte der 22-jährige Schwede verloren (2:3 gegen Aruna). „Das ist eine rein mentale Sache bei Anton“, ist Borussia-Trainer Heister überzeugt. „Er nutzt seine Chancen nicht konsequent genug. Auf dem Niveau darf man sich das nicht leisten.“

„Das war schon eine bittere Niederlage“, räumte Manager Andreas Preuß ein. „Wir hatten genug Chancen, das Spiel zu gewinnen. Ärgerlich ist, dass wir jetzt gegen Pontoise erneut ein richtiges Endspiel haben. Denn der Gruppensieg ist enorm wichtig.“ Düsseldorf und Pontoise liegen vor dem Gipfeltreffen am kommenden Freitag mit jeweils 9 Punkten an der Tabellenspitze in Gruppe A. Die übrigen Teams haben keine Chance mehr auf einen Viertelfinal-Platz.

Quadri Aruna – Anton Källberg 3:2 (16:18, 11:9, 11:3, 5:11, 11:6)
Diogo Carvalho – Kamal Achanta 0:3 (3:11, 5:11, 8:11)
Bode Abiodun – Timo Boll 1:3 (8:11, 6:11, 11:6, 7:11)
Quadri Aruna – Kamal Achanta 3:0 (11:6, 11:9, 11:9)
Diogo Carvalho – Anton Källberg 3:2 (11:2, 9:11, 12:10, 8:11, 11:8) 

 

VS Angers TT – 1. FC Saarbrücken TT 3:2

In Gruppe C mussten die Saarbrücker eine bittere Niederlage quittieren. Dort liegen drei Teams vor dem letzten Spieltag nach Punkten gleichauf. Angers führt vor den Saarländern und Bogoria Grodzisk – Roskilde ist, trotz eines für Saarbrücken günstigen 3:1-Erfolgs in Bogoria (Maze besiegte Gionis) abgeschlagen. Am 7. Dezember empfangen Franziska und Co. die Polen zu einem echten Gruppenfinale. Der Sieger steht im Viertelfinale, eventuell sogar als Gruppenerster, der Verlierer muss mit dem Ausscheiden rechnen, es sei denn, die Dänen schlagen auch Angers – dann kommt es auf die genauen Ergebnisse an, wer Zweiter wird und wer auf der Strecke bleibt.

In Angers lief bei Darko Jorgic nicht allzu viel zusammen. Gegen den Schweden Jon Persson und im letzten Match gegen Andrea Landrieu gelang dem Slowenen kein Satzgewinn. Da der in der Weltrangliste nur auf Platz 144 geführte Franzose einen Traumtag erwischt hatte und auch Patrick Franziska in der Verlängerung des Entscheidungssatzes bezwingen konnte, gingen die Saarbrücker am Ende leer aus. Für den Bundesligisten punkteten Franziska (3:2 gegen Persson) und der Taiwaner Liao Cheng-Ting (3:2 gegen Jens Lundquist).

Jon Persson – Darko Jorgic 3:0 (11:6, 11:9, 11:1)
Andrea Landrieu – Patrick Franziska 3:2 (8:11, 12:10, 5:11, 11:7, 12:10)
Jens Lundqvist – Liao Cheng-Ting 2:3 (11:8, 9:11, 9:11, 11:6, 9:11)
Jon Persson – Patrick Franziska 2:3 (10:12, 11:7, 10:12, 11:9, 6:11)
Andrea Landrieu – Darko Jorgic 3:0 (11:7, 11:9, 11:9)

 

Post SV Mühlhausen – TTC Fakel Gazprom Orenburg 0:3

Gegen Orenburg sind schon viele namhafte Teams sang- und klanglos eimgegangen. Nicht so die wackeren Thüringer in ihrem ersten Jahr auf der internationalen Bühne. In der restlos ausverkauften Halle am Kristanplatz war nämlich jeder Post-SV-Profi seinem Gegner vier Sätze lang ebenbürtig, um schließlich im Entscheidungsdurchgang den Kürzeren zu ziehen.

Das geschah in einem Fall denkbar knapp, nämlich bei der Niederlage von Vize-Europameister Ovidiu Ionescu gegen Marcos Freitas, in einem anderen Fall deutlich, da Lubomir Jancarik nach vier tollen Durchgängen gegen Vladimir Samsonov am Ende sein Pulver verschossen hatte. Im vierten Satz war der mit 2:1 in Front liegende lange Tscheche beim 11:13 nach vergebenem Matchball haarscharf an der Sensation vorbeigeschrammt. Sehr achtbar zog sich der seit Monaten durch starke Leistungen auffallende Daniel Habesohn aus der Affäre. Im Auftaktmatch lieferte der Österreicher dem Weltranglistenfünften Dimitrij Ovtcharov einen tollen Fight auf Augenhöhe, konnte aber eine zwischenzeitliche 2:1-Satzführung nicht ins Ziel bringen.

„Wir haben uns unglaublich gut aus der Affäre gezogen“, befand Post-Manager Thomas Stecher. „Leider hatten wir in allen drei Einzeln nicht das nötige Glück und haben uns so für eine unserer besten Leistungen jemals hier am Kristanplatz nicht belohnen können.“ „Wenn wir ein Einzel gewonnen hätten, wäre das Spiel völlig offen gewesen“, so Trainer Erik Schreyer. „Ehrlicherweise muss man jedoch sagen, dass Orenburg in den Entscheidungssätzen einfach eine Spur abgeklärter war und daher verdient gewonnen hat. Trotzdem bin ich extrem stolz auf meine Mannschaft.“

Dass Ovtcharov und Co. die Gruppe gewinnen, ist schon lange in Stein gemeißelt. Doch dahinter wird es richtig spannend. Mühlhausen und Hennebont sind punktgleich, Eslövs hat einen Zähler weniger und könnte es bei einem klaren Sieg gegen die Thüringer im letzten Gruppenspiel am 6.12. (mindestens 3:1) auch noch schaffen. Hennebont hat die schlechtesten Karten, da es bei der russischen „Übermannschaft“ antreten muss. Gewinnen die Postler in Schweden, sind sie vermutlich durch. Das Erreichen des Viertelfinales bei der ersten Königsklassen-Teilnahme der Vereinsgeschichte wäre ein Riesenerfolg.

Daniel Habesohn – Dimitrij Ovtcharov 2:3 (11:9, 7:11, 13:11, 2:11, 7:11)
Ovidiu Ionescu – Marcos Freitas 2:3 (11:9, 5:11, 3:11, 11:7, 9:11)
Lubomir Jancarik – Vladimir Samsonov 2:3 (13:11, 5:11, 11:8, 11:13, 1:11) 

 

Text & Fotos (2): Dr. Stephan Roscher

Foto Habesohn/Schreyer: Christian Habel