Mima Ito spielt alle an die Wand - Die Sieger der Swedish Open

Am Sonntag gingen in Stockholm die Swedish Open zu Ende. In der Damen-Konkurrenz sorgte die 18-jährige Japanerin Mima Ito für einen Paukenschlag nach dem anderen. Ito räumte die gesamte Elite Chinas aus dem Weg und gewann sensationell das Turnier.

Bis Stockholm verhielt es sich fast immer so, dass die drei besten Japanerinnen Kasumi Ishikawa (November-Weltrangliste Platz 3), Miu Hirano (WRL 9) und eben jene Mima Ito (WRL 7), im internationalen Ranking – nicht zuletzt aufgrund massenhafter Turnierteilnahmen – zwar weit oben geführt, von den Top-Chinesinnen jedoch regelmäßig zerlegt wurden, wenn es um Titel und Erfolge ging. Und auf einmal kommt diese untersetzte Japanerin, vielleicht 1,50 Meter groß und besonders im Block- und Konterspiel versiert, daher und dreht den Spieß einfach um. Natürlich ist Ito alles andere als ein Nobody – vor Stockholm hatte sie bereits fünf Titel auf der World Tour verbucht. Doch gegen ein derart hochkarätiges Teilnehmerfeld hatte sie sich nie zuvor durchgesetzt.

Liu Shiwen (4:3 nach 1:3-Satzrückstand), Ding Ning (4:2 nach 0:2-Satzrückstand) und Zhu Yuling (4:0) wurden nacheinander abgefertigt – und mit jedem Sieg gegen eine Chinesin aus der Weltspitze schien Itos Selbstvertrauen zu wachsen. Dass sie auch in den ersten beiden Runden zwei Chinesinnen aus dem Turnier geworfen hatte, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt: Gegen die relativ unbekannte Zhang Qiang siegte die an Position 7 gesetzte Japanerin mit 4:1, gegen die gebürtige Chinesin Feng Tianwei – seit vielen Jahren international für Singapur im Einsatz – quälte sich Ito, nach 0:2- und 2:3-Satzrückstand zu einem hauchdünnen 4:3. Danach stand sie im Viertelfinale und war durch nichts und niemanden mehr zu stoppen.

Spielerinnen wie Liu, Ding und Zhu spielen eigentlich deutlich variabler als Ito, ziehen gefährlichere Topspins, haben bessere Aufschläge und im Block- und Konterspiel sind sie ebenso gut. Doch die kleine Japanerin zog in Stockholm ihr Ding mit einer bemerkenswerte Sicherheit und Selbstsicherheit durch, dass die Fachwelt staunte. Und wenn man im Finale eine Spielerin wie die Weltranglisten-Erste Zhu Yuling mit 11:3, 11:3, 11:5 und 11:8 abfertigt, ist das eine Demonstration, ja Demütigung der Top-Chinesin und kann nicht auf Glück oder die einen Tick bessere Tagesform reduziert werden. Und wenn man drei Spielerinnen jener Kategorie hintereinander schlägt, hat das mit Zufall oder den Launen der Glücksgöttin nicht das Geringste zu tun. Interessant, ja eigentlich sensationell und zu begrüßen ist es allemal, da es Bewegung ins internationale Damen-Tischtennis bringt.

 „Ich freue mich natürlich sehr und denke, dass ich ein sehr gutes Turnier gespielt habe“, so Ito. „Und wenn es knapp war, habe ich fast immer die richtigen Entscheidungen getroffen.“ Es versteht sich von selbst, dass sie sich für die Olympischen Spiele 2020 in ihrer Heimat eine Menge vorgenommen hat.

Erfreulich aus deutscher Sicht: Petrissa Solja meldet sich – nach einigen noch relativ durchwachsenen Turnieren – mit von Mal zu Mal stärkeren Leistungen auf der internationalen Bühne zurück, spielt in Stockholm mit ihrer Zauberhand eine Miu Hirano in Grund und Boden und zeigt an, dass sie bald wieder dorthin möchte, wo sie schon einmal zu finden war – unter den besten 15 der Welt.

Weniger spannend ging es bei den Herren zu, wo das meiste in den gewohnten Bahnen verlief. Was Fan Zhendong dort mit der Konkurrenz machte, war einmal mehr recht einseitig. Der eine oder andere Landsmann darf vielleicht einen Satz gegen ihn gewinnen, doch unter dem Strich bleiben alle chancenlos. So letztlich auch Xu Xin im Finale, selbst wenn der Weltranglisten-Erste drei von vier Sätzen nur mit zwei Bällen Differenz gewann, zwei davon in der Verlängerung. Wenn Fan die Punkte braucht, macht er sie eben. So einfach kann Tischtennis sein: Hunderte kämpfen tagelang um Ruhm, Geld und Titel und Fan gewinnt – grundsätzlich. Der einzige, der ihm das vielleicht – die Betonung liegt auf vielleicht – nochmals hätte verwehren können, Ma Long, musste in der 1. Runde gegen Jens Lundquist verletzt passen. Somit war der Weg frei für die skandinavischen Fan-Zhendong-Festspiele.

Apropos Skandinavien: Was Mattias Falck – vormals Karlsson – zurzeit an den Tisch bringt, ist aller Ehren wert und lässt den Weltranglistenplatz 12, den der große Blonde aus dem hohen Norden im November einnimmt, in neuem Licht erscheinen. Jedenfalls ist es nicht nur „Vielspielerei“, die den 27-jährigen Schweden nach oben katapultiert hat, sondern spielerisches Können, ein vorzügliches Auge und eine außergewöhnlich gute Konzentrationsfähigkeit. In Stockholm konnte ihn erst Fan Zhendong im Halbfinale stoppen, wobei Falck beim 0:4 nicht den Hauch einer Chance hatte. Um ein Haar hätte er aber in seinem „Wohnzimmer“ den Doppel-Titel eingesackt. An der Seite von Kristian Karlsson, der seiner Düsseldorfer Borussia gestern in der Bundesliga an allen Ecken fehlte, unterlag er im Finale dem Taiwan-Duo Liao Cheng-Ting/Lin Yun-Ju mit 11:13 im Entscheidungssatz.

Aufwärts geht es auch mit Dimitrij Ovtcharov, der gute Chancen besitzt, seinen gerade verlorenen gegangenen Weltranglistenplatz vier im Dezember zurückzuerobern. In Schwedens Hauptstadt brillierte Dima gegen Liam Pitchford und Lin Yun-Ju, um allerdings im Viertelfinale gegen den chinesischen Senkrechtstarter Zhou Qihao den Kürzeren zu ziehen. Insgesamt war das aber schon wieder recht sehenswert von dem 30-jährigen Deutschen, sein bisher bestes Turnier nach der Verletzungspause.

 

DIE ENDSPIELE DER SWEDISH OPEN

Herren Einzel

Fan Zhendong CHN – Xu Xi CHN 4:1 (11:7, 14:12, 13:11, 9:11, 11:9)

Damen Einzel

Mima Ito JPN – Zhu Yuling CHN 4:0 (11:3, 11:3, 11:5, 11:8)

Herren Doppel

Liao Cheng-Ting/Lin Yun-Ju TPE – Mattias Falck/Kristian Karlsson SWE 3:2 (10:12, 11:8, 11:8, 6:11, 13:11)

Damen Doppel

Chen Xingtong/Sun Yingsha CHN – Liu Gaoyang/Zhang Rui CHN 3:1 (11:5, 9:11, 11:7, 11:6)

U21 Herren

Cho Seungmin KOR – Koyo Kanamitsu JPN 3:1 (13:11, 11:13, 11:8, 11:5)

U21 Damen

Choi Hyojoo KOR – Kim Hayeong KOR 3:1 (4:11, 11:3, 11:4, 11:6)

 

Swedish Open auf der Turnierseite der ITTF

 

Text & Fotos (2): Dr. Stephan Roscher