CHINA OPEN: Boll ausgeschieden, Han Ying spielt tolles Turnier

Bei den China Open in Shenzhen hat Timo Boll den Einzug ins Viertelfinale verpasst. Boll unterlag dem Chinesen Liang Jingkun mit 3:4. Einen tollen Coup landete dagegen Han Ying, die sensationell Chen Xingtong besiegte und im Viertelfinale steht.

Auf dem Papier mag Bolls Ausscheiden im Achtelfinale des mit 346.000 US-Dollar dotierten Turniers überraschend erscheinen – hier der an 2 gesetzte Weltranglistendritte, dort der Qualifikant, der im ITTF-Ranking nur auf Platz 125 geführt wird, zwei Plätze hinter dem No-Name-Ägypter Ahmed Saleh. Doch das ist trügerisch, da Liang in der Vergangenheit nicht allzu viele Einsätze auf der Tour erhielt und Kenner der Chinese Super League wissen, dass der 22-jährige Chinese dort immer wieder starke Gegner schlägt.

Der 37-jährige Odenwälder trug sein Zweitrunden-Aus nach einem sehenswerten Match (11:5, 9:11, 10:12, 11:7, 11:4, 9:11, 5:11) mit Fassung. „Leider habe ich ihn im zweiten Satz ins Spiel kommen lassen. Meine Führung nicht zum 2:0 zu nutzen, das hat weh getan“, so Boll: „Immerhin waren ein paar tolle Ballwechsel dabei, die in mein Best-of gehören. Wenigstens das bleibt.“

Boll gegen Liang auf itTV

Damit ist kein deutscher Spieler mehr in der Herrenkonkurrenz vertreten, nachdem in der ersten Runde Patrick Franziska an Jun Mizutani in fünf Sätzen gescheitert war.

Han Ying in Topform

Anders die Damen-Konkurrenz, wo der DTTB überraschend auch noch im Viertelfinale ein Eisen im Feuer hat – trotz des Erstrunden-Aus der künftigen Langstädterin Petrissa Solja nach ordentlicher Leistung gegen die Weltranglistendritte Kasumi Ishikawa aus Japan (2:4).

Han Ying (Tarnobrzeg/Polen), die ihr bestes Turnier seit sehr, sehr langer Zeit spielt, schaffte den Einzug in die Runde der letzten Acht. Die Weltranglisten-34. gewann im Achtelfinale gegen die Nummer acht des Welt-Rankings Chen Xingtong aus China klar mit 4:0 (11:7, 11:4, 11:5, 11:8). Das darf, zumal in dieser Eindeutigkeit, getrost als Sensation gelten. Es war schon geraume Zeit her, dass Deutschlands Nummer eins zuletzt eine Topchinesin geschlagen hatte.

Im Viertelfinale trifft die Defensivspielerin auf Chens Landsfrau Wang Manyu, aktuelle Nummer 4 der Welt, die bisher in Shenzhen alles gnadenlos abräumt, was sich ihr in den Weg stellt. Wo Han Yings Leistungshoch herkommt, die noch bei den German Open enttäuschte und beklagte, dass sie nicht genügend Schnitt in die Bälle bekomme, weiß keiner so recht. Was sie bisher bei den China Open abgeliefert hat, ist grandios – vor allem auch die klaren Siege gegen hoch eingeschätzte Kontrahentinnen. In der Qualifikation hatte die 35-jährige DTTB-Spielerin die Koreanerin Kim Hayeong sowie die renommierte Singapur-Chinesin Yu Mengyu jeweils mit 4:1 besiegt, in der 1. Hauptrunde die Weltranglisten-22. Chen Szu-Yu (Taiwan) haushoch in die Schranken gewiesen (11:6, 11:7, 11:3 11:7). Könnte sie am Samstag eine weitere Kerbe in ihren Gürtel machen, hätte sie Edelmetall sicher – doch realistisch betrachtet ist Wang Manyu haushohe Favoritin.

Dr Knaller bei den Frauen war das Achtelfinal-Aus der Weltranglistenzweiten Zhu Yuling gegen die 21-jährige Japanerin Saki Shibata (Mai-WRL Platz 24). Zhu zog trotz zwischenzeitlicher 3:1-Satzführung mit 3:4 (11:5, 9:11, 11:7, 11:8, 9:11, 8:11, 5:11) den Kürzeren.

Im Damen-Turnier sind – neben der in China geborenen Han – nur noch Chinesinnen (Wang Manyu, Ding Ning) und Japanerinnen (Kasumi Ishikawa, Mima Ito, Saki Shibata) vertreten. Auch bei den Herren sind inzwischen die Asiaten unter sich. Im Viertelfinale finden wir vier Chinesen (Fan Zhendong, Lin Gaoyuan, Ma Long, Liang Jingkun), zwei Japaner (Jun Mizutani, Koki Niwa) und zwei Südkoreaner (Lee Sangsu, Lim Jonghoon).

Ochsenhausener Quartett kann nicht begeistern

Gar nicht gut lief es für die vier in Shenzhen gestarteten Ochsenhausener. Hugo Calderano und Simon Gauzy mussten bereits in der ersten Runde das Tunier-Aus quittieren, nachdem sie im gemeinsamen Doppel ebenfalls früh gescheitert waren. Calderano zog überraschend gegen den hageren Engländer Liam Pitchford, bis vor zwei Jahren selbst noch bei den Oberschwaben unter Vertrag, mit 1:4 den Kürzeren. Gauzy wurde vom späteren Boll-Bezwinger Liang Jingkun nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen und kam erst gegen Ende etwas besser ins Spiel (3:11, 2:11, 9:11, 9:11). Beide wirkten urlaubsreif, zudem merkte man ihnen das verlorene TTBL-Finale gegen Düsseldorf auch in punkto Selbstvertrauen an.

TTF-Neuzugang Jang Woojin überstand wenigstens die 1. Runde (4:1 gegen Marcos Freitas), um dann das koreanische Prestigeduell gegen den Weltranglistenachten Lee Sangsu in fünf Durchgängen zu verlieren. Und der schon seit den German Open als Neuzugang feststehende Stefan Fegerl überstand die Qualifikation nicht – er scheiterte in der Relegation ebenfalls an Pitchford. Immerhin schaffte es der Österreicher mit Joao Monteiro ins Doppel-Viertelfinale.

Nicht das Turnier des Xu Xin

Im Doppel-Endspiel stehen sich dort am Sonntag Fan Zhendong/Lin Gaoyuan sowie das spanisch-rumänische Überraschungs-Duo Alvaro Robles/Ovidiu Ionescu gegenüber. Den beiden Bundesligaspielern gelang am Freitag ein Wahnsinns-Coup mit einem 3:2-Halbfinal-Sieg über Ma Long/Xu Xin (11:9, 11:9, 1:11, 4:11, 12:10).

Als sensationell darf erst recht das Erstrunden-Aus des an drei gesetzten Weltranglistenvierten Xu Xin im Einzel gelten, der sich am koreanischen Weltranglisten-39. Lim Jonghoon die Zähne ausbiss (1:4) – und das in den einzelnen Sätzen erstaunlich deutlich (7:11, 11:9, 6:11, 7:11, 6:11).

 

DIE SPIELE DER DEUTSCHEN AM SAMSTAG


Damen-Einzel
Viertelfinale
10 Uhr: Han Ying GER - Wang Manyu CHN

 

DIE ERGEBNISSE DER DEUTSCHEN AM FREITAG

Herren-Einzel

Achtelfinale
Timo Boll GER - Liang Jingkun CHN 3:4 (5,-9,-10,7,4,-9,-5)
1. Runde (32)
Patrick Franziska GER - Jun Mizutani JPN 1:4 (-8,6,-4,-8,-3)


Damen-Einzel

1. Runde (32)
Han Ying GER - Chen Szu-Yu TPE 4:0 (6,7,3,7)
Petrissa Solja GER - Kasumi Ishikawa JPN 2:4 (5,-8,-9,-8,9,-1)
Achtelfinale
Han Ying GER - Chen Xingtong CHN 4:0 (7,4,5,8)

China Open auf der Webseite der ITTF

 

Text & Fotos (4): Dr. Stephan Roscher