TTCLM: TTBL-Teams am Samstag mit lösbaren Aufgaben – Gedanken zum Turnier – Ergebnisse des ersten Tages



Die zum Kreis der Mitfavoriten zählenden Borussia Düsseldorf und 1. FC Saarbrücken TT haben am ersten Tag der „Bubble“ im ARAG CenterCourt lockere Siege gegen Gegner eingefahren, die – so ehrlich muss man sein – kaum deutsches Zweitliganiveau hatten. Der Post SV Mühlhausen musste dagegen erwartungsgemäß dem Topfavoriten Orenburg, der Dimitrij Ovtcharov schonte, zu einem 3:1 gratulieren. Für den Ehrenpunkt sorgte Steffen Mengel.

Am heutigen Samstag sind von den TTBL-Teams zuerst die Thüringer im Einsatz, die im Gruppenspiel auf Leka Enea TDM treffen (13.30 Uhr). Die Spanier hatten am Freitag gegen Bogoria (Polen) erwartungsgemäß mit 0:3 verloren. Das heutige Spiel muss Mühlhausen, bei dem Daniel Habesohn gegen Orenburg ungewohnt schwach spielte, gewinnen – ohne Wenn und Aber. Ansonsten ist Platz 2 in Gruppe A nicht mehr zu schaffen. Mit Spielern wie Endika Diez, Daniel Palacios und Oriol Monzo ist Leka Enea im Übrigen eine der Mannschaften, die vielleicht in den ETTU-Cup, der sich nun Europe Cup nennt, gehört hätten, nicht aber in die zu einer achttägigen Bubble zusammengeschmolzenen Eliteliga des Kontinents.

Um 17 Uhr ist Platzhirsch Borussia Düsseldorf an der Reihe, der heute erstmals auf einen „richtigen“ Gegner treffen wird. GV Hennebont TT hat sich am ersten Turniertag mit 3:2 gegen die Polen von Dekorglass Dzialdowo durchgesetzt, die – taktisch unklug – Jakub Dyjas nur an Position drei aufgestellt hatten. Cedric Nuytinck machte den Unterschied mit Siegen über Wei Shihao (3:0) und Andrej Gacina (3:1). Ferner dürften auch heute wieder Ex-Borusse Omar Assar und der Ex-Grenzauer Anders Lind bei Hennebont spielen.

Zuletzt steigt dann wieder der amtierende Deutsche Meister Saarbrücken in den Ring, der sich ab 20.30 Uhr mit den Dänen von Roskilde Bordtennis auseinanderzusetzen hat. Normal wäre – zumindest auf dem Papier – auch Roskilde eher ein Kandidat für den Europe Cup, allerdings wecken Name wie Michael Maze, inzwischen 39 Jahre alt, und der des „rüstigen Rentners“ Allan Bentsen (52) Reminiszenzen an glorreiche Zeiten des dänischen Tischtennis. Und die beiden können schon noch ganz passabel spielen. Es war nämlich nicht nur die Nummer ein, Jens Lundquist (3:1 gegen Patrick Baum), die gestern beim etwas überraschenden 3:2 gegen Pontoise-Cergy punktete, sondern eben auch Maze (3:2 gegen Baum) und sogar „Händchenspieler“ Bentsen, der den halb so alten Quentin Robinot in fünf Durchgängen auf Distanz hielt. Der starke Tristan Flore konnte mit zwei Siege gegen die Dänen das Ruder nicht herumreißen. Man muss kritisch anmerken, dass Ex-Königsklassen-Sieger Pontoise in seiner gegenwärtigen Aufstellung eben nur noch ein Abklatsch vergangener Jahre ist und mit dem Ausgang dieses Turniers rein gar nichts zu tun haben wird. Hart und nüchtern ausgedrückt: Die Saarbrücker Gruppe ist schwach besetzt, es ist eindeutig die schwächste des Turniers. Ein deutlicher Erfolg heute über Roskilde ist für den FCS ebenso Pflicht wie der Gruppensieg.

Bubble-Turnier mit extremen Niveau-Unterschieden

Nochmals einige kritische Anmerkungen zur Qualität des Bubble-Turniers von Düsseldorf: Man muss sich ernsthaft fragen, was – bei allem Respekt – Mannschaften wie Ostrava oder Taverzo in einer „Königsklasse“ verloren haben. Die genannten Teams haben mit diesem spielenden Personal in einem kontinentalen Eliteturnier eigentlich nichts zu suchen. Dann lieber ein Turnier mit zehn statt 15 Mannschaften spielen, das den Begriff Champions League auch rechtfertigt.

Die SPG Walter Wels ist nochmal ein ganzes Stück schwächer besetzt – dies gilt zumindest für die Spieler, die in Düsseldorf im Welser Dress auflaufen. Die Österreicher sind im ARAG CenterCourt mit einer Truppe am Start, die arge Schwierigkeiten hätte, sich in einer deutschen Oberliga zu halten. Doch dieser Fall muss etwas differenzierter betrachtet werden. Adam Szudi war kurz vor der Abreise nach Düsseldorf positiv auf das Coronavirus getestet worden. Obwohl die Tests bei seinen Teamkollegen sowie Trainer David Huber negativ ausfielen, durften auch sie als Kontaktpersonen nicht mit zu diesem Turnier reisen. Da dem Verein im Fall eines Nichtantretens der Ausschluss von allen europäischen Wettbewerben des kommenden Jahres gedroht hätte, wurden kurzfristig neben einem Spieler der zweiten Mannschaft die beiden zwölfjährigen Nachwuchshoffnungen Julian Rzihauschek und Petr Hodina nach Düsseldorf geschickt – die jüngsten Spieler, die je in der Champions League zum Einsatz kamen. Doch auch hier ist klar, dass eine solche Nottruppe nichts in der Champions League verloren hat, so nett sich die Schlagzeile mit dem beiden Youngsters auch lesen mag. Hier hätten die starren ETTU-Regelungen in Anbetracht der Sondersituation außer Kraft gesetzt werden müssen.

So kommt es zu der kuriosen Gegebenheit, dass in Düsseldorf – bewusst etwas überspitzt formuliert – zwischen Weltklasse und Kreisklasse alles vertreten ist. Das soll keine Kritik am Ausrichter Borussia Düsseldorf sein, der das Turnier bis hin zur Siegerehrung mit Sicherheit in gewohnter Professionalität organisieren wird, sie richtet sich einzig und allein an die ETTU.

Beitragsbild oben: Mit Ex-Europameister Michael Maze (Archivfoto) wird es der 1. FC Saarbrücken heute in Düsseldorf zu tun bekommen.

Text & Foto: Dr. Stephan Roscher

ALLE ERGEBNISSE DES ERSTEN TURNIERTAGS

GRUPPE A

Fakel Gazprom Orenburg (RUS) – Post SV Mühlhausen 1951 e.V. (GER) 3:1
Marcos FREITAS – Ovidiu IONESCU 3:1 (11:2, 11:9, 5:11, 11:6)
Vladimir SAMSONOV – Daniel HABESOHN 3:0 (11:7, 11:6, 14:12)
Alexey LIVENTSOV – Steffen MENGEL 2:3 (12:10, 10:12, 11:7, 7:11, 3:6)
Marcos FREITAS – Daniel HABESOHN 3:0 (11:9, 11:1, 11:8)

Bogoria Mazowiecki (POL) – Leka Enea (ESP) 3:0
Marek BADOWSKI – Daniel PALACIOS 3:0 (11:8, 11:9, 11:9)
Pavel SIRUCEK – Endika DIEZ 3:1 (11:6, 10:12, 11:4, 11:8)
Milosz REDZIMSKI – Oriol MONZO 3:2 (10:12, 7:11, 21:19, 13:11, 6:2)

GRUPPE B

TTC Enfireex Ostrava (CZE) – TTSC UMMC (RUS) 0:3
Felipe OLIVARES – Tomislav PUCAR 1:3 (11:9, 4:11, 3:11, 4:11)
Simon BELIK – Jonathan GROTH 0:3 (1:11, 10:12, 7:11)
Filip DELINCAK – Liam PITCHFORD 0:3 (4:11, 6:11, 3:11)

GRUPPE C

SPG Walter Wels (AUT) – 1.FC Saarbrücken (GER) 0:3
Gabor BÖHM – Kun SHANG 0:3 (3:11, 1:11, 11:13)
Julian RZIHAUSCHEK – Patrick FRANZISKA 0:3 (5:11, 3:11, 4:11)
Petr HODINA – Darko JORGIC 0:3 (1:11, 1:11, 2:11)

Roskilde Bordtennis (DEN) – AS Pontoise-Cergy (FRA) 3:2

Jens LUNDQUIST – Patrick BAUM 3:1 (11:9, 11:6, 10:12, 11:6)

Michael MAZE – Tristan FLORE 0:3 (4:11, 9:11, 7:11)

Allan BENTSEN – Quentin ROBINOT 3:2 (11:6, 11:7, 6:11, 5:11, 6:2)

Jens LUNDQUIST– Tristan FLORE 2:3 (5:11, 11:7, 11:9, 12:14, 2:6)

Michael MAZE – Patrick BAUM 3:2 (15:17, 8:11, 11:9, 11:9, 6:3)

GRUPPE D

Borussia Düsseldorf – De Boer Taverzo (NED) 3:0
Anton KALLBERG – Dorian NICOLLE 3:0 (11:6, 11:8, 11:6)
Timo BOLL – Yannick VOSTES 3:0 (11:7, 11:7, 11:6)
Ricardo WALTHER – Trinko KEEN 3:0 (11:8, 11:5, 11:7)

Dekorglass Dzialdowo (POL) – GV Hennebont TT (FRA) 2:3
WEI Shihao – Cedric NUYTINCK 0:3 (8:11, 8:11, 5:11)
Andrej GACINA – Omar ASSAR 3:2 (5:11, 11:7, 11:5, 8:11, 6:4)
Jakub DYJAS – Anders LIND 3:1 (8:11, 13:11, 11:1, 11:8)
WEI Shihao – Omar ASSAR 0:3 (8;11, 5;11, 5:11)
Andrej GACINA – Cedric NUYTINCK 1:3 (11:6, 12:14, 13:15, 9:11)