Trotz der 1:3-Heimniederlage gegen den neuformierten, gut verstärkten TTC Neu-Ulm war man bei Liganeuling TTC OE Bad Homburg mit dem Saisonauftakt keineswegs unzufrieden. Man hatte fast drei Stunden engagiert dagegen gehalten und bei den Fans die Lust auf mehr geweckt.
„Die Überraschung blieb aus – der Einstand ist gelungen“, so das Fazit von Geschäftsführer Mirko Kupfer, nachzulesen in der aktuellen Presseerklärung der Kurstädter. Dort lesen wir auch: „Seit der Lizenzerteilung am 3.8.2020 bis zum ersten Spieltag in der TTBL waren es nicht einmal 5 Wochen. Was in dieser Zeit realisiert werden musste und was letztendlich alles realisiert wurde in Bad Homburg, in der Wingert Sporthalle, ist schon aller Ehren wert.“ Stolz berichtet Kupfer unter anderem: „In einer von mehr als 30 Helfern, die von Freitag bis Sonntag im Einsatz waren, bestens vorbereiteten Halle konnte der neue gestaltete Court erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.“
Die Rahmenbedingungen waren absolut erstligareif und die 220 Zuschauer – Höchstmarke des 1. Spieltags und aufgrund der relativ liberalen hessischen Bedingungen für sportliche Großveranstaltungen möglich – kamen voll auf ihre Kosten, die Stimmung war prächtig. Ob man sportlich auch bereits erstligareif ist, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen.
Nach einer knappen Stunde hatte der TTBL-Newcomer den ersten Siegpunkt eingetütet. Gustavo Tsuboi hatte gegen Neu-Ulms Youngster Vladimir Sidorenko nach zweimaligem Satzrückstand als Sieger den Tisch verlassen. Die Durchgänge vier und fünf gingen deutlich an den anfänglich wackelnden Linkshänder aus Brasilien.
Der 19-jährige Russe Lev Katsman, der erst fünf Tage zuvor sein Visum genehmigt bekam und am Donnerstag in Deutschland gelandet war, schien gegen Bundesliga-Ikone Tiago Apolonia sogar nachlegen zu können. Zumindest sah es anfänglich danach aus. Mirko Kupfer skizziert das unterhaltsame Match: „Der ein oder andere Zuschauer rieb sich leicht verdutzt die Augen. 11:8 im ersten Satz für Lev und auch im 2.Satz stand es zwischenzeitlich 10:8. Allerdings genau hier kippte das Spiel zu Gunsten Neu-Ulms. Nach engen Sätzen 2, 3 und 4 siegte Tiago Apolonia am Ende dann doch mit 3:1 nach Sätzen.“
Anschließend bekam es der ebenfalls 19-jährige Rumäne Rares Sipos mit Ex-Europameister Emmanuel Lebesson zu tun. Nach vier deutlichen Sätzen – immerhin konnte Sipos den zweiten gewinnen – hatte der favorisierte Franzose standesgemäß zum 2:1 für die Gäste gepunktet.

Emmanuel Lebesson, einen Satzgewinn verbuchen.
Im Spitzeneinzel standen sich dann mit Tsuboi und Apolonia zwei Neu-Ulmer Teamkollegen der Vorsaison gegenüber. Es entwickelte sich ein sehr ansehnliches Spiel, in dem der Portugiese freilich die Bigpoints machte und mit 3:0 (11:9, 11:8, 11:9) den Auswärtserfolg des letztjährigen Wildcard-Inhabers unter Dach und Fach brachte. Kupfer: „Ein hervorragendes Match, das eigentlich mehr als drei Sätze verdient gehabt hätte.“
Bereits am Sonntag deutete sich bei aller Begeisterung an, dass der Klassenerhalt für die Hessen ein schwieriges Unterfangen werden könnte. „Leitwolf“ Tsuboi spielt bestenfalls 1:1 und die jungen Wilden hinter ihm strotzen zwar vor Talent – besonders einem Lev Katsman scheinen auf längere Sicht kaum Grenzen nach oben gesetzt –, doch das Hier und Jetzt zählt und da sticht ins Auge, dass der jungen Bad Homburger Crew die Erfahrung fehlt, die zum Überleben in der TTBL ein wesentliches Kriterium ist. Man kann sich, zumindest auf dem Papier, eigentlich nur mit dem Westerwälder Traditionsklub TTC Zugbrücke Grenzau messen und wenn man den hinter sich lassen könnte, wäre das womöglich bereits gleichbedeutend mit dem Ligaverbleib. Doch das könnte eine 50:50-Angelegenheit werden, Bad Homburg und Grenzau werden sich voraussichtlich auf einem Level begegnen, sodass Tagesform und Nervenstärke entscheiden dürften. Und es kommt bereits recht bald zu Teil eins dieses richtungsweisenden Duells. In sechs Wochen, am 18. Oktober, gastieren die Westerwälder nämlich im Wingert Dome.
Dazwischen liegen noch TTC OE-Auswärtsspiele in Bergneustadt (27.9.) und bei Meister Saarbrücken (2.10.), in denen nach menschlichem Ermessen für Tsuboi und Co. nichts zu holen ist, sodass man 0:6 Punkte vor dem Grenzau-Spiel einkalkulieren muss. Im Pokalwettbewerb gastiert man übrigens am 4.10. bei Zweitligist Hilpoltstein – eine nicht zu unterschätzende, jedoch lösbare Aufgabe für Bad Homburgs Boygroup. Es sollte eigentlich der erste Saisonsieg werden, was auch ein wichtiger psychologischer Faktor vor dem Grenzau-Spiel werden könnte, um mit dem ersten Erfolgserlebnis im Rücken in die Partie zu gehen. Grenzau sollte sich dieses am selben Tag in Bad Hamm übrigens auch sichern können.
„Wir sind natürlich traurig, dass wir verloren haben. Aber viel wichtiger ist: Wir haben gesehen, dass die Jungs mithalten können“, so Sven Rehde, Sportlicher Leiter des TTC OE. „Es waren ein, zwei knappe Entscheidungen dabei, aber am Ende hat Neu-Ulm die größere Klasse gehabt und verdient gewonnen. Das erste Spiel in der TTBL war sehr emotional, für den gesamten Verein und alle Fans ist die Bundesliga-Teilnahme ein großes Event.“ Mirko Kupfer ergänzte: „Trotz der Niederlage können wir sehr zufrieden sein und stolz zugleich. Das erste Spiel in der TTBL. Wir freuen uns auf die, die folgen.“
TTC OE Bad Homburg – TTC Neu-Ulm 1:3
Gustavo Tsuboi – Vladimir Sidorenko 3:2 (5:11, 11:7, 5:11, 11:6, 11:4)
Lev Katsman – Tiago Apolonia 1:3 (11:8, 12:14, 7:11, 10:12)
Rares Sipos – Emmanuel Lebesson 1:3 (5:11, 11:6, 5:11, 6:11)
Gustavo Tsuboi – Tiago Apolonia 0:3 (9:11, 8:11, 9:11)
Zuschauer: 220
Text und Actionfoto Sipos: Dr. Stephan Roscher
Teamfoto: TTC OE Bad Homburg




