Er hat es getan: Harimoto wirft Ma Long aus dem Turnier!

Seamaster 2018 ITTF World Tour, LION Japan Open, Kitakyushu, 9. Juni 2018, Viertelfinale Herren: Tomokazu Harimoto JPN – Ma Long CHN 4:2 (11:8, 11:9, 11:7, 3:11, 2:11, 11:6). Das kann eigentlich fast für sich stehen und bedarf keines voluminösen Kommentars.

 

Ein paar Zeilen ist uns DIE Sensation der Japan Open aber schon wert.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Zwar hatten wir in unserem letzten Bericht zu den Japan Open konstatiert, dass Tomokazu Harimoto sich bislang dort in Topform präsentiert, konnten uns aber nicht vorstellen, dass der 14-Jährige eine echte Chance gegen den Topfavoriten auf den Turniersieg haben würde. Doch es kam anders: Der Wunderknabe aus Japan machte am Nachmittag das vielleicht beste Spiel seiner noch jungen Karriere und warf Ma Long aus dem Wettbewerb.

3:0 stand es bereits für den bis dahin phänomenal aufspielenden japanischen Teenager, als den amtierenden Weltmeister die Wut packte. Zwei gnadenlose Sätze Ma Longs folgten, in denen Harimoto förmlich zerlegt wurde - und mancher dachte, das würde bis zum Ende so weitergehen. Weit gefehlt! Auf einmal war der Youngster wieder am Drücker und brachte Durchgang sechs mit 11:6 gegen den (gefühlt) besten Spieler der Welt ins Ziel. Die Halle stand Kopf. Wahnsinn!

Japans neuer Nationalheld übte sich nicht unbedingt in Bescheidenheit: "Das war ein ganz wichtiger Sieg für mich auf dem Weg zu meinem großen Ziel, 2020 in Tokio Olympiasieger zu werden."

Im Halbfinale steigt Harimoto gegen den Südkoreaner Lee Sangsu in den Ring, der sieben Sätze benötigte, um sich gegen Chuang Chih-Yuan zu behaupten. Das andere Semifinale bestreiten Timo Boll und Zhang Jike. Ob Boll heute gegen Harimoto, berücksichtigt man dessen eindrucksvolle Performance, eine Chance gehabt hätte, ist ungewiss. Vielleicht treffen die beiden, zwischen denen 23 Lebensjahre liegen, ja am Sonntag im Endspiel aufeinander …

Video Tomokazu Harimoto vs. Ma Long

Japan Open auf der Webseite der ITTF

 

Text: Dr. Stephan Roscher

Foto: ITTF