„Wir schauen nur auf uns selbst“ – Interview mit Kristijan Pejinovic

Schicksalswochen liegen vor der jungen Mannschaft der TTF Liebherr Ochsenhausen. Am kommenden Freitag steht das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Düsseldorf auf dem Programm – am 06.04. steigt das Rückspiel.

Und in der TTBL beginnt in wenigen Tagen der Endspurt im Kampf um die Play-off-Plätze mit guten Karten für das Team aus Oberschwaben, erneut das Halbfinale der Deutschen Meisterschaft zu erreichen. Wir sprachen mit TTF-Präsident Kristijan Pejinovic über den bisherigen Saisonverlauf sowie die kommenden Aufgaben.


Herr Pejinovic, das Liebherr Pokal-Finale wurde erreicht, nun steht man unter den besten Vier in der Champions League und besitzt gute Chancen, die Play-offs zu erreichen. Wie beurteilen Sie den bisherigen Saisonverlauf?

„Der Saisonverlauf ist mehr als zufriedenstellend. Der Verlauf ist nicht exakt so, wie wir es uns vorgestellt haben, aber nach den Startschwierigkeiten mit dem großen Verletzungspech hat die Mannschaft eine sehr starke Rückrunde gespielt, in der sich die Leistungsträger herauskristallisiert haben. Die Erfolgsserie der Mannschaft war schon höchst eindrucksvoll. Da diese Saison aber schon speziell ist, schauen wir immer von Spiel zu Spiel - und bei allen Ambitionen sollten wir die Relationen nicht ganz vergessen. Das Team ist jung, erst seit letzter Saison in dieser Formation und hat es in zwei Wettbewerben zumindest ins Halbfinale geschafft und bei einem Wettbewerb stehen wir kurz davor. Aus meiner Sicht ist dies eine überaus gute Leistung gewesen und man kann von einer guten Saison bislang sprechen.“

Trotz fünf Spielern wurde es krankheits- und verletzungsbedingt personell einige Male eng, sogar der Sportmanager musste ran. Wie sehen Sie die Chancen, dass Dubravko Skoric in den entscheidenden Partien wieder aus dem Vollen schöpfen kann?

„Wie schon erwähnt, schauen wir von Spiel zu Spiel. In den vergangenen zwei Jahren waren wir in der Saison recht stabil aber bis zu den Play-offs beziehungsweise in der entscheidenden Phase gingen uns die Kräfte aus und wir hatten dann immer personelle Schwierigkeiten. Ich hoffe, dass wir das bei diesem dritten Anlauf besser in den Griff bekommen und der Trainer aus dem Vollen schöpfen kann.“

Wann wird Simon Gauzy, der ja noch ganz wichtig in der Schlussphase der Saison für die TTF sein kann, wieder die Form erreicht haben, die er vor seiner Verletzungspause hatte?

„Das liegt leider nicht in unseren Händen. Er macht große Fortschritte und hat gegen Bad Königshofen zwei entscheidende Punkte gegen gute Spieler geholt. Täglich arbeitet er an seiner Form - ob es dann für die Schlussphase reicht, werden wir abwarten müssen. Ich wünsche es ihm und natürlich auch unserem Team.“

In wenigen Tagen beginnt das Duell mit Borussia Düsseldorf in der Champions League mit dem Hinspiel in Ochsenhausen am 16.03. Hand aufs Herz: Ist der Einzug ins Finale möglich? Ist Düsseldorf mit dem Weltranglistenersten Boll in Hin- und Rückspiel überhaupt schlagbar?

„Erst einmal freuen wir uns, unter den besten vier Klubs Europas zu sein - und das nach solch einer zerfahrenen Saison. Das spricht für einen gesunden Teamgeist. Trotz starker Einzelspieler wie Hugo Calderano ist klar, dass wir nur als Team Erfolg haben werden. Die Bereitschaft aller, sich für das Team zu zerreißen, ist vorhanden und deswegen wollen wir hier im Halbfinale keinen Halt machen. Das Team ist jung und hungrig und zeigt dies eindrucksvoll von Spiel zu Spiel. Die Chancen sind auf jeden Fall vorhanden und wir müssen sehen, in welcher Verfassung unser Team aber auch die Borussia inklusive Timo Boll sein werden.“

Wie wichtig werden die Fans sein, wenn die TTF am Freitag gegen Boll und Co. etwas reißen wollen? Wird die Halle ausverkauft sein?

„Die Fans sind unseren Spielern unglaublich wichtig. Sie sind der sogenannte sechste Mann, den wir an unserer Seite brauchen. Wir benötigen jede einzelne Stimme und jegliche Unterstützung, um unser Team in den wichtigen Momenten anzupeitschen. Ich erwarte am Spieltag ein ausverkauftes Haus.“

Zwei Titel könnten die TTF in dieser Saison noch gewinnen, doch es wird sehr schwer. Glauben Sie, dass ein Titelgewinn gelingen kann und wie stecken Sie die Ziele für den Rest der Saison ab?

„Natürlich wollen wir nach wie vor Titel gewinnen. Wenn es aber mit einem Favoritensturz oder auch mal mit einem vermeintlichen Pflichtsieg nicht klappt, geben wir nicht auf und versuchen es beim nächsten Anlauf. Ich hatte im Saisonmagazin zur Rückrunde erwähnt, dass wir gemeinsam etwas schaffen können, was deutlich länger währt als eine Saison. Wir bauen somit von Saison zu Saison auf und sind uns sicher, mit einem Titel belohnt zu werden, wenn die Zeit reif ist.“

Die TTF stehen in der Bundesliga auf einem Play-off-Platz und haben noch zwei Partien gegen vermeintlich leichtere Gegner vor sich. Halten Sie den Einzug in die Play-offs für ziemlich sicher oder sollte man den Tag nicht vor dem Abend loben?

„Nachdem wir in dieser Saison schon so viel erlebt haben - und glauben Sie mir, soviele Verletzungen und Hindernisse hatte ich den letzten 18 Jahren nicht erlebt -, schauen wir nur von Spiel zu Spiel. Wir sind uns sicher, dass wir es schaffen können, nehmen aber jeden kommenden Gegner zu 110 Prozent ernst.“

Sollten die TTF als Vierter die Punktrunde abschließen, käme es erneut zu zwei Duellen mit Rekordmeister Düsseldorf. Würden Sie der Borussia lieber aus dem Weg gehen und erst in einem möglichen Finale auf Boll und Co. treffen?

„Wenn wir um Titel spielen wollen - und das ist unser Ziel -, müssen wir jeden Gegner akzeptieren und möge dieser eben noch so schwer sein. Aber zunächst heißt es ins Halbfinale einziehen und dabei schauen wir nur auf uns selbst.“

Zwei Spieler werden die TTF zum Saisonende verlassen. Wie weit sind die Verhandlungen mit Neuzugängen?

„Unser Team für die kommende Saison werden wir in circa acht Tagen während der German Open in Bremen bekannt geben.“


Interview: Dr. Stephan Roscher

Foto: TTF Liebherr Ochsenhausen