TTBL: Ochsenhausen vor schwerem Gang nach Düsseldorf

Allzu groß ist der Optimismus bei den Ochsenhausenern vor dem schweren Meisterschaftsspiel des 11. Spieltags bei Final-Four-Sieger Düsseldorf nicht, zumal man weiterhin auf den Weltranglisten-Neunten Simon Gauzy verzichten muss.

Normalerweise freuen sich die Schützlinge von Dubravko Skoric auf Spiele gegen Deutschlands Topteam, können sie da doch beweisen, was in ihnen steckt, und ihr Potenzial besser entfalten als gegen manchen rangtieferen Klub. In den letzten Jahren hat man genau deswegen nicht selten gegen die Rheinländer gewonnen.

Diesmal ist die Aufgabe jedoch extrem schwierig. Düsseldorf ist in Topform und strotzt vor Selbstvertrauen, was man am Samstag beim Liebherr Pokal-Finale in Neu-Ulm eindrucksvoll unter Beweis stellte, die TTF dagegen weniger. Sie müssen erneut ohne ihren besten Spieler in den Ring steigen – Simon Gauzy ist noch nicht wieder so weit, seine Rückenprobleme lassen einen Einsatz noch nicht zu. Folglich könnte mit Hugo Calderano, Jakub Dyjas und Yuto Muramatsu das Trio vom Final Four beim Spitzenreiter an den Tisch gehen, aber auch Joao Geraldo wäre eine Option.

Allerdings hat sich in Neu-Ulm gezeigt, dass Hugo Calderano – so gut der Weltranglisten-17. sein mag – Schwierigkeiten hat, wenn zu viel Verantwortung auf seinen Schultern lastet. Nicht ungewöhnlich bei jungen Spielern. Gegen eine Mannschaft wie die Borussia müssten im Normalfall Gauzy und Calderano in Topform agieren und ein starker „Dreier“ gnadenlos nachstoßen, um eine echte Chance zu besitzen, die Punkte zu entführen. Doch eine solche Personalkonstellation ist diesmal im ARAG CenterCourt nicht möglich, deshalb müssen die Oberschwaben aus den eingeschränkten Möglichkeiten versuchen, das Beste zu machen.

Natürlich sind die Punkte im Kampf um die Play-off-Plätze ungemein wichtig, weniger für Boll und Kollegen als für die TTF. Im Fall einer Niederlage könnten die Ochsenhausener ihren derzeitigen vierten Platz an diesem Spieltag vermutlich nicht behaupten, da die Rivalen Saarbrücken und Fulda-Maberzell vor lösbaren Aufgaben stehen und Werder Bremen - einen Sieg gegen Grenzau vorausgesetzt - weiter davonziehen könnte.

Zudem hätte man eigentlich einiges gutzumachen. Das Hinspiel am 3. September ging nämlich komplett in die Hose – die TTF boten eine ihrer schwächsten Saisonleistungen und ließen sich von ohne Boll angereisten Düsseldorfern im Rekordtempo abschießen. Es war eine herbe Enttäuschung, zumal mit Gauzy (0:3 gegen Karlsson) und Calderano (0:3 gegen Källberg) Ochsenhausens Beste gespielt hatten.

Natürlich denkt man nicht im Traum daran, in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt zu fahren, um brav die Punkte abzuliefern. Auch der dezimierte Kader ohne Leitwolf wird alles versuchen, sich nicht ein zweites Mal in dieser Saison vom „FC Bayern des Tischtennissports“ abschießen zu lassen.

Auch ohne den Weltranglisten-Dritten Timo Boll (36 Jahre, TTBL-Bilanz 5:0), der pausieren wird, gilt: Düsseldorf ist bärenstark. Die Schweden Kristian Karlsson (26 Jahre, Weltrangliste Platz 22, TTBL 8:6) und Anton Källberg (20 Jahre, WRL 71, TTBL 10:2) beeindruckten in Neu-Ulm und überstanden das Final Four ungeschlagen. Und dann wäre da noch Stefan Fegerl (29 Jahre, WRL 53, TTBL 5:5), der ebenfalls immer gefährlich ist.

„Wir erwarten ein nahezu ausverkauftes Haus“, sagt Manager Andreas Preuß. „Timo Boll hat am Sonntag frei, denn nach einer Dauer-Wettkampfphase zwischen Juli und Dezember 2017 braucht er nun viel Training, um im Champions League-Viertelfinale auf den Punkt fit zu sein. Anton Källberg und Kristian Karlsson sind in guter Form, und Stefan Fegerl brennt auf seinen Einsatz.“ Der Österreicher war in der Pokalendrunde am vergangenen Wochenende nicht zum Einsatz gekommen.

In Ochsenhausen hofft man, dass der unglückliche Verlauf des Halbfinal-Matchs gegen Saarbrücken nicht noch die Köpfe der Spieler blockiert. Ohne freien Kopf kann man in Düsseldorf keinen Blumentopf gewinnen.

Kristijan Pejinovic sieht die Angelegenheit realistisch: „Simon (Gauzy) wird auch bei diesem sehr schweren Spiel fehlen, welche Aufstellung Dubravko Skoric wählen wird, wird er erst am Freitag entscheiden. Die Chancen gegen so einen Gegner ohne unsere Nummer eins sind momentan gering.“ Natürlich hofft man immer auf einen Sieg. „Trotz allem fahren wir nach Düsseldorf um zu punkten und nicht nur um „Erfahrung“ zu sammeln“, so Ochsenhausens Präsident. „An diesem Spieltag sind wir aber in der momentanen Konstellation klarer Außenseiter, wenn wir in die „Höhle des Löwen“ einmarschieren.“ Pejinovic sieht den Druck nicht nur bei den TTF: „Auch Düsseldorf steht unter Druck, da sie in der Favoritenrolle sind.“ Der Gegner hat das, wovon die Oberschwaben gegenwärtig eher träumen: „Düsseldorf hat den klaren Vorteil, dass sie einen Lauf haben, der uns verwehrt geblieben ist, nicht zuletzt aufgrund der vielen Verletzungen“, stellt Pejinovic fest. „Inwieweit unsere Jungs das Liebherr Pokal-Finale bis Sonntag aus den Köpfen bekommen, werden wir dann live erleben.“


TTBL, 11. Spieltag

ASV Grünwettersbach – TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell

1. FC Saarbrücken TT – TSV Bad Königshofen

SV Werder Bremen – TTC Zugbrücke Grenzau

Post SV Mühlhausen – TTC Schwalbe Bergneustadt

Borussia Düsseldorf – TTF Liebherr Ochsenhausen (alle Sonntag, 15 Uhr)

 

Text & Fotos (2): Dr. Stephan Roscher