T2APAC: „Dima“ gewinnt deutsches Duell, „Rossi“ sieht positive Ansätze

In der T2 Asian Pacific Table Tennis League kam es in der 3. Runde zum deutschen Prestigeduell zwischen Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll. Am Ende stand es 3:2 für „Dima“, der das Match über weite Strecken klar dominierte und höher hätte gewinnen können.

Es ist immer etwas Besonderes und es knistert, wenn die Aushängeschilder des deutschen Tischtennissports direkt aufeinandertreffen. Und dann wird auch nichts hergeschenkt, trotz der Freundschaft zwischen den beiden Weltklassespielern.

Wir erinnern uns an die vorhergehenden beiden Aufeinandertreffen: Im Finale der China Open war es ein Herzschlag-Match mit dem besseren Ende für „Dima“, der bereits mit 6:10 im Entscheidungsdurchgang zurückgelegen hatte und am Ende doch noch seinen hauchdünnen Sieg bejubeln durfte. Auch im Endspiel des New Horizons Masters am 18. März in Saarbrücken spielten beide Kontrahenten seriös und mit sehr viel Siegeswillen. Und da hatte "Dima" beim 0:3 keine Chance. Es kommt zwischen den beiden eben immer auf die Tagesform an.

Eigentlich hatte die dritte T2APAC-Runde in Malaysia für Ovtcharov nicht optimal begonnen. Zwar war sein 4:1 über Koreas Abwehr-Ass Joo Saehyuk beim 15:14 des Teams Rossi gegen das Team Persson aller Ehren wert, doch in derselben Partie kassierte „Dima“ ein 1:4 gegen Jun Mizutani. Hinzu kam ein nicht unbedingt erwartetes 2:3 gegen Chuang Chih-Yuan im Match gegen das Team JJ, das knapp verloren ging (13:15).

Doch gegen Boll war er hellwach und präsentierte sich in richtig guter Verfassung. Der Weltranglistenvierte („es ist immer schwer, gegen einen guten Freund zu spielen, mit dem man seit 15 Jahren zusammen trainiert“) war diesmal der dominierende Spieler gegen einen Boll, der zeitweise sogar die Führung in der Einzelwertung übernommen hatte. Dem Südhessen in Düsseldorfer Diensten unterliefen recht viele leichte Fehler. Dennoch verstand es der Odenwälder geschickt, die an sich eindeutige Niederlage (7:11, 11:8, 2:11, 5:11) noch in eine nach dem Zählsystem knappe umzuwandeln, indem er den innerhalb des Zeitlimits noch möglichen halben fünften Satz mit 6:4 für sich entschied, was ja auch in die Wertung einfloss.

Allerdings konnte Bolls Mannschaft, das Team Maze, daraus keinen Vorteil ziehen, zu eindeutig waren an jenem Tag die Kräfteverhältnisse. Das Team Rossi siegte unerwartet deutlich mit 19:8, alle Akteure steuerten Siege bei – zumindest fast alle, neben Ovtcharov die Rumänin Elizabeta Samara (4:0 gegen Hina Hayata/Japan), Berlins Ungarin Georgina Pota (3:2 gegen Yang Haeun/Südkorea) sowie Paul Drinkhall (4:1 gegen Chen Chien-An/Taiwan) und der junge Chinese Xue Fei (3:1 gegen Alexander Shibaev). Lediglich die Taiwanesin Cheng I-Ching musste zu Beginn mit einem Remis Vorlieb nehmen – sie trennte sich von Singapurs Weltranglistensechster Feng Tianwei 2:2.

Team Rossi - Team Maze 19:8
Cheng I-Ching - Feng Tianwei 2:2 (11:8, 10:11, 10:11, 5:3)
Dimitrij Ovtcharov - Timo Boll 3:2 (11:7, 8:11, 11:2, 11:5, 4:6)
Elizabeta Samara - Hina Hayata 4:0 (11:10, 11:10, 11:7, 8:7)
Paul Drinkhall - Chen Chien-An 4:1 (11:7, 11:4, 11:9, 11:5, 2:7)
Georgina Pota - Yang Haeun 3:2 (7:11, 11:8, 11:7, 8:11, 5:2)
Xue Fei - Alexander Shibaev 3:1 (11:10, 11:6, 11:8, 5:6)

„Rossi“ erkennt interessante Ansätze im T2APAC-Regelwerk

Ähnlich wie Timo Boll findet auch Herren-Bundestrainer und T2-Teamkapitän Jörg Roßkopf einige Experimente der Asian Pacific Table Tennis League durchaus nachahmenswert. „Ich glaube schon, dass man da ein paar Dinge übernehmen kann, die ganz interessant sind - auch die Bundesliga“, sagte der Doppel-Weltmeister von 1989 im Interview mit dem Magazin „tischtennis“.

Gut gefallen „Mister Tischtennis“ die Entscheidung bei 10:10-Gleichstand durch den nächsten Ball, die Verkürzung von Entscheidungssätzen auf nur noch fünf Gewinnpunkte und der Einsatz von Ballkindern. Auch die Begrenzung der einzelnen Matches auf 24 Minuten sieht der frühere Doppel-Weltmeister als gangbaren Weg, der zur besseren Planbarkeit der Events beitrage und zusätzlich den Spannungsfaktor erhöhe.

Für die Gesamtwertungen in den Kategorien Mannschaft und Einzel zählen in Malaysia bekanntlich die gewonnenen Sätze und nicht, wie sonst üblich, die gewonnenen Matches. So weit will „Rossi“ in Deutschland und Europa jedoch nicht gehen.

Momentan hält die deutsche Tischtennis-Ikone die Konkurrenz für die Bundesliga durch Wettbewerbe wie T2APAC, die ebenfalls privat veranstaltete, gerade beendete UTT in Indien oder die im Aufbau befindliche Profiliga in Japan noch für begrenzt. „Kommt darauf an, wie viel gezahlt wird und wie sehr man sich in Sicherheit wiegt“, so Roßkopf. „Man weiß nie, wie lange solche Formate laufen, die Bundesliga läuft seit Jahrzehnten.“

Webseite T2APAC

 

Text & Foto: Dr. Stephan Roscher