3. BUNDESLIGA HERREN NORD: Stärkste 3. Liga aller Zeiten?

Die Nordstaffel der 3. Herren-Bundesliga hat personell mächtig aufgerüstet. Einige echte Tischtennis-Promis haben angeheuert. Zudem könnte mancher in den Abstiegsstrudel geraten, der im Traum noch nicht daran denkt. Wir werfen einen raschen Blick auf die zehn Teams.

Es ist in der Tat nicht abwegig, von der stärksten 3. Liga aller Zeiten – nun, so lange gibt es das „Unterhaus unter dem Unterhaus“ ja noch nicht – zu sprechen, denn fast alle Klubs haben sich verstärkt, teilweise mit echten Tischtennispromis.

So finden wir etwa den früheren Deutschen Einzelmeister Torben Wosik nun als neuen Spitzenspieler bei Hertha BSC Berlin. Der letztjährige Tabellendritte will wieder nach oben – und in der Aufstellung Wosik, Aydin, Borchardt, Hölter und Römhild riecht es auch danach.

Doch es sind noch andere im Spiel, denen eine Menge zuzutrauen ist. Da wäre etwa der zuletzt nur knapp am Aufstieg in der Relegation gescheiterte TuS Celle mit Spitzenspieler Philipp Floritz, der mit dem Ex-Jülicher Yoshihiro Ozawa – der Japaner war bei den „Indeländern“ in Ungnade gefallen – einen spielstarken neuen Zweier aufzubieten hat.

Und dann hätten wir noch zwei extrem starke Aufsteiger, die auch oben ein Wörtchen mitreden wollen. Zum einen die Reserve des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell, mit Vater und Sohn Meng im vorderen Paarkreuz und Tischtennis-Weltenbummler Thomas Keinath an Position drei (!), dahinter noch Altmeister Hansi Fischer, der es auch mit 51 Jahren noch drauf hat.

Aber dann wäre da ja auch noch Ex-Zweitliga-Champion SV Union Velbert, ebenfalls aus der Regionalliga aufgestiegen. Und der hat mit Ex-Nationalspieler Lars Hielscher, vom Erstligisten Post SV Mühlhausen gekommen, einen besonders dicken Fisch an Land gezogen. Der zweitligaerfahrene Thomas Brosig hat sich auch noch dazu gesellt als neue Nummer drei hinter dem Rumänen Adrian Dodean. Wenn Hielscher, der ja inzwischen auch dem DTTB-Trainerstab angehört, ziemlich regelmäßig spielt und es nicht wieder mit Verletzungsproblemen zu tun bekommt, ist Velbert ein ganz heißer Kandidat für die Spitzenränge.

Der TTC Ruhrstadt Herne schickt wieder einmal eine schwer einzuschätzende, komplett neu zusammengestellte internationale Truppe ins Rennen, deren Spitzenspieler der 17 Jahre junge US-Nationalspieler Kanak Jha ist (Juli-Weltrangliste Platz 228), der World-Tour-Erfahrung aufweist.

Ex-Zweitliga-Champion SV Siek verstärkte sich mit dem besten Spieler des unteren Paarkreuzes der Vorsaison, Valentin Nad Nemedi (20:3 im Einzel / 15:3 im Doppel) von Zweitligaaufsteiger TTC GW Bad Hamm. Der 22-jährige Serbe mit ungarischem Pass wird als Nummer zwei hinter Tischtennis-Ikone Wang Yansheng fungieren. Ganz oben darf man die Holsteiner dennoch nicht erwarten.

Schon ein gut besetztes Team wie der Vorjahresfünfte SV Brackwede mit Lei Yang und Balazs Hutter, einer der wenigen personell unveränderten Drittligisten, muss schauen, dass es nicht hinten hineinrutscht.

Auf Platz sieben fanden wir in der letzten Abschlusstabelle den TSV Schwarzenbek, der um den Klassenverbleib kämpfen dürfte. Ansonsten unverändert, ersetzt Neuzugang Hartmut Lohse den Schweden Fredrik Lundquist auf der Spitzenposition.

Als Tabellenachter befand sich der TTC Lampertheim in der zurückliegenden Spielzeit lange in akuter Abstiegsgefahr. Man steht besser als 2016/17 und hat den Litauer Alfredas Udra vom TTC Frickenhausen als neue Nummer eins geholt, mit dem es für die Südhessen vielleicht gerade so reichen könnte in Sachen Klassenerhalt - aber sicher ist das nicht.

Schwer haben wird es der zweite Hessen-Klub TTC Seligenstadt. Der Ex-Zweitligist war als Tabellenneunter dem Abstieg gerade noch entgangen, doch nun sieht es eher düster aus. Der 17-jährige Jugendnationalspieler Jannik Xu rückt vor an die Spitzenposition, ob das Talent da jedoch ausgeglichen spielen kann, ist fraglich. Ex-Zweitligaspieler Sven Müller ist die neue Nummer zwei und mit dem hierzulande so gut wie unbekannten 22-jährigen Iraner Seyed Pourya Omrani (Juli-WRL Platz 465) ist ein exotischer neuer Dreier an Bord. Man soll nie „nie“ sagen, aber das Unternehmen Klassenerhalt wird eine Herkulesaufgabe für die Seligenstädter Tischtennis-Asse.

Eine im oberen und unteren Tabellenbereich spannende Saison steht zu erwarten mit einer Zweiklassengesellschaft und einigen Klubs, deren Aufstellung mindestens wie 2. Liga anmutet.

 

Text & Foto: Dr. Stephan Roscher